Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
280
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v. HOLTEI 2& °

Zurücknahme herum, bei der zweiten Wiederholung, am 8. Dezem-ber, glänzte das Gesicht des Kassierers, und kurz vor Beginn desSchlußstückes erschien der König in seiner Loge, um sich denpolizeiwidrigen Napoleon anzusehen. An diesem Abend spitzte oben-drein das Publikum scharf die Ohren und legte nun durch lärmendenBeifall allen politischen Anspielungen des Stückes, an denen e sbisher achtlos vorübergegangen war, eine aktuelle Bedeutung bei,auf die es ohne das Polizeiverbot nie gekommen wäre. Nichts w ardem Könige verhaßter als Demonstrationen dieser Art, und da»dieser Schlingel Holtei es gewagt hatte, ihn hinters Licht zu führen,lag nach Verlauf dieses Abends klar auf der Hand.

Damit war das Schicksal des Stücks besiegelt. Am nächsten Mo 1 "gen schon kam vom Kabinettsrat Albrecht der Befehl, das Lieder-spiel noch einmal darzustellen und dann lautlos vom Repertoir ver-schwinden zu lassen; den neuen Eklat eines ausdrücklichen sofor-tigen Verbotes wollte der König vermeiden. Durch den Geh. Kämnie-rier Timm ließ er dem Dichter sagen, ,,es sei doch ein dummesStück, es passe nicht, daß man von Polen so rede" usw. „So" be-deutete diesmal: in derart glorifizierender Weise, während sichFriedrich Wilhelm III. bei Napoleon ausdrücklich die „würdige"Art seines Auftretens ausbedungen hatte.

Die nächste Vorstellung, die die letzte sein sollte, fand am n. De-zember statt vor ausverkauftem Haus, und für die Direktion war esein empfindlicher Verlust, das Liederspiel, das ein Kassenstück zuwerden versprach, nun absetzen zu müssen; mehr noch aber für denDichter, dem die Einnahme der neunten Vorstellung als „Benefiz"zugesagt war. Er wandte sich daher in einer Immediateingabe anden König, der in solchen rechnerischen Dingen immer ein nüch-ternes und unbefangenes Urteil hatte. Aber mit der Antwort, diealsbald erfolgte, war Holtei nicht geholfen: drei weitere Vorstel-lungen wurden noch erlaubt, im übrigen wünschte Herr Timm ein„gutes Benefiz". War das nun Ironie oder nichts weiter als einRechenfehler? „Drei und drei macht nur sechs", sagt Holtei; nachden Anzeigen in den Berliner Zeitungen fanden sieben Vorstellungenstatt (die drei letzten am 13., 21. und 28. Dezember), das waren auchnur sieben, nicht neun. Noch einmal den König zu behelligen, wagteHoltei nicht und kam so um den Dichterehrensold, den Ertrag derBenefizvorstellung. Auf dem Theaterzettel hieß es: zum letztenmal,..wegen Abgang des Herrn Remie [des stummen Napoleon-Dar-stellers] zum Hoftheater in Dresden".

Friedrich Wilhelm III. hat dem von ihm bis dahin mannigfachbegünstigten Dichter diesen kleinen Betrug, den er sich in der Not-wehr gegen die allerhöchste Zensur herausgenommen, nie verziehen,oder, meint Holtei selbst, wenn Er ihn vergaß, bewahrten doch