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zu seinen besten gehörte. Er gedachte darin eines Königsgeburts-tags, den Friedrich Wilhelm III. fern von der Hauptstadt seinesLandes verbracht hatte, 1807, als die Franzosen Berlin besetzt hiel-ten; jede Feier des Tages hatten die Feinde verboten; da war es deiDirektor des Königlichen Schauspielhauses, der große Iffland, g e "wesen, der es wagte, auf der Bühne stehend vor einem Parterre vonFranzosen durch eine beredte Geste zur ehemaligen Königsloge hin-auf an die ernste Bedeutung des Tages zu mahnen. Etwas politischwaren die Verse immerhin, und Holtei durfte eigentlich wissen, daßFriedrich Wilhelm III. immer nur ungern an die Zeit von Preußenstiefster Erniedrigung erinnert sein wollte.
■ Als „Hausdichter" und Regisseur der Königstadt hatte Holteiaußerdem die obligaten Festprologe zu liefern, also auch den unver-meidlichen zu Königsgeburtstag, und das war gerade diesmal einewichtige Staatsaktion; die Königstadt hatte erst am 4. August 1824ihre Pforten aufgetan, beging also das Huldigungsfest zum ersten-mal und durfte sich neben den Königlichen Bühnen nicht lumpenlassen, gehörte doch der König zu ihren Gönnern und eifrigsten Be-suchern. Madame Sontag, die Mutter der berühmten Henriette, desStars der Königstadt, sollte den Prolog sprechen. Holtei mußtealso von seiner patriotischen Begeisterung einen zweiten Aufgußherstellen, und das fiel ihm diesmal gar nicht leicht; dem oft Ge-sagten nochmals eine neue Seite abzugewinnen, bei diesem bedeut-samen Aktus die Direktion und sich selbst nicht zu blamieren, dashatte so seine Schwierigkeiten, und Madame Sontag, die memorierenwollte, schickte einen Kurier nach dem andern in seine Poetenzelle:der Prolog, der Prolog! — Wie er so dasaß und in gelinder Ver-zweiflung an seiner Feder kaute, erschien ihm plötzlich als rettenderEngel — der Zensor! Ein Bote aus der Spenerschen Druckereibrachte ihm das Manuskript seines Festgedichtes zurück: „non im-primatur!" stand darunter, Geheimrat Grano hatte den Abdruck ver-boten und war allem Zureden der Redaktion gegenüber unerbittlichbei seinem Nein geblieben. Eine schauderhafte Situation: das fertigeGedicht sollte nicht gedruckt werden, und das zweite, der Prolog,war noch nicht fertig! Und der Bote sollte auf Antwort warten, undPapa Spener durfte keinesfalls im Stich gelassen werden. Der ver-dammte Zensor mit seinen lächerlichen Rücksichten und seinerstupiden Engherzigkeit! Aber halt — es gab ein Mittel, um ihnherumzukommen — jetzt sollte der eigensinnige Zensor die Verseerst recht gedruckt sehen! Holtei riß sich zusammen: was ihm fürden Theaterprolog zu matt erschienen war, mochte in der „Spener-schen" durchgehen; er kratzte schnell alles zusammen, was er anGedankenembryonen aufs Papier geworfen hatte, gab seinem Pegasusdie Sporen — sechs Strophen, das genügte, wenn auch nicht eben