Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
274
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HEIDELOFF UND CAMPE 2 ? 4

Buchhandlung und fern allem revolutionären Treiben, wegen ihrelegitimistischen Gesinnung sogar bei den Pariser Demagogen ver-haßt! Die Polen und was damit zusammenhänge habe Gauger mit-gebracht, als er mittellos nach Paris gekommen; man habe sie ai„Schiffbrüchige" betrachtet wie ehemals die Griechen. Gauger habedie „Bücher des polnischen Volkes" übersetzt und sei „der Satanas,der Unkraut unter den Weizen gestreut habe". Allerdings —• dieHeinesche Vorrede, der falsche Druckort — er und sein Sohn, derübrigens seit fünfzehn Monaten in Nürnberg weile, hätten sofort„mit Indignation" alle erreichbaren Exemplare vernichtet! Statt nacHeidcloff und Campe solle man sich lieber nach der Firma L. Bruneumsehen, als deren Leipziger Kommissionär er „vertraulich' o*Firma Volckmar namhaft machte; dann werde nicht nur er, ,, degraue Vater", sondern auch sein „braver Sohn" ehrenvoll dastehen-Mit Börnes „Brandfackeln" — auf diese kam er immer wieder zu-rück statt auf die zur Verhandlung stehende Vorrede — wolle madie Pariser Firma verdächtigen, die nie ein Blatt von Börne g e "druckt habe, und er selbst beteure „vor Gott", er sei „rein von ) e £~licher Verbreitung revolutionärer Schriften".

Diese Aussagen des Nürnbergers müssen natürlich unter dem Ge-sichtspunkt des schon berufsmäßig gewordenen Kampfs der Buch-händler gegen die Zensurbehörden gewürdigt werden. Was warenrevolutionäre Schriften? Und gehörten Börnes „Briefe aus Paris'dazu? Ist Drucken und Verbreiten dasselbe? Daß die zwei erstenBände des Börneschen Buches in Nürnberg bei Friedrich Camp egedruckt worden waren, hatte Bruder Julius in Hamburg längst zuProtokoll gegeben (am 5. November 1832, vgl. den Artikel Börneim I. Band S. 73 f.); ebensowenig machte er ein Geheimnis daraus,daß sein Neffe, wenn die Vorrede Heines auch in seiner Abwesenh eltund ohne sein Vorwissen von Heideloff verlegt worden sei, überderen Existenz sehr wohl Bescheid wußte, ihm sogar die ganzeAuflage zum Kauf angeboten hatte; damit mochte Napoleon Camp eseine persönliche Unschuld daran wohl beweisen, aber die PariserFirma war damit nicht entlastet.

Mit dem „grauen Vater" und dem „braven Sohn" sah es auf alleFälle ziemlich verdächtig aus, wenn man die verschiedenen Verneh-mungsprotokolle nebeneinander hielt. Aber bei der Weitläufigkeitdes Aktenmaterials hatte das seine Schwierigkeiten, und selbst diepreußische Behörde verfolgte diese Spur nicht weiter, obgleich demPolizeiminister v. Brenn der Gegensatz zwischen Campes Aussagenund denen Gaugers schon am 24. März 1834 bedenklich aufgefallenwar. Die bayrische Regierung sah mit Campes Vernehmung die ihroffenbar unbehagliche Sache als erledigt an, und der NürnbergerKomplize geriet in keine ernstliche Verlegenheit.