271 HEIDELOFF UND CAMPE
tischer Parteimann in Verbindung, und als Anfang 1833 die unver-stümmelte Vorrede zu Heines „Französischen Zuständen" in Deutsch-end nicht erscheinen konnte, sprang die Firma Heideloff und Campebereitwilligst in die Bresche.
Dieser Vorfall war es, der die preußische Zensurbehörde veran-laßte, über das Pariser Haus ein besonderes Aktenstück anzulegen,das in kurzem dick anschwoll. Auf diplomatischem Wege sollte Klar-heit geschaffen werden über alle Verbindungen dieser verdächtigenBuchhandlung mit deutschen Kollegen. Alsbald liefen zahlreicheBerichte ein, in denen die gerichtlichen Aussagen des HeideloffschenBuchhandlungsgehilfen Peter Gauger, der als Herausgeber der Heine-schen Vorrede aufgetreten und jetzt in die Hände der StuttgarterPolizei geraten war, die Hauptrolle spielten (vgl. den Heineartikelim 1. Band S. 397fr.).
Daß den Neffen des erfolgreichen Hamburger Verlegers die Lor-beern seines Onkels lockten, ist verständlich, und die eifrigere Auf-nahme politischer Werke mag der Initiative des neuen Teilhabers zu-zuschreiben sein, der die günstige Konjunktur nach der Julirevolutionausnutzen wollte. Aber der Associe Heideloff war politisch schongenügend belastet; er war nach Gaugers Aussage Mitglied des deut-schen revolutionären Komitees in Paris, dem auch Börne, Garnierund andere angehörten, während Heine sich vorsichtig zurückhielt,denn für die deutschen Revolutionäre hatte er wenig übrig. Fleideloffhatte schon vorher bereitwilligst seine Firma als Deckname her-gegeben, wenn es galt, eine gefährliche Schrift unter Pariser Flaggein Deutschland zu verbreiten. So erschien 1831 eine Flugschrift„lieber die polnische Frage" angeblich bei Heideloff in Paris, inWirklichkeit war F. A. Brockhaus in Leipzig der Verleger; hierwurde sie gedruckt, mit Fakturen Heideloffs versandt, dieser rech-nete auf der nächsten Messe mit den Buchhändlern ab und setzte sichdann mit dem wirklichen Unternehmer auseinander; so wahrte mandas Gesicht. Die Aussage Gaugers vom 4. April 1834 wird durch denBrockhausschen Verlagskatalog (1872—1875, S. 276) vollkommenbestätigt; Gauger irrte sich nur im Datum und nannte statt CarlHeideloff die Firma Fleideloff und Campe. Bei letzterer aber er-schienen u. a. „Die Bücher des polnischen Volkes und der polnischenPilgerschaft. Aus dem Polnischen von P. — J. B. — G. G. 11." vonAdam Mickiewicz, Polens größtem Dichter, der damals als poli-tischer Flüchtling in Paris lebte, 1832 die polnische, 1833 die deut-sche, von demselben Paul J. Gauger besorgte Ausgabe, beide inDeutschland streng verboten. Damals und später gab Brockhaus dieWerke von Mickiewicz heraus, wie überhaupt Leipzig ein Zufluchts-ort der polnischen Revolutionäre bis in die fünfziger Jahre hineinblieb; die meisten dortigen Buchhändler, vor allem Ph. Reclam,