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lieh empfindenden Predigtamtskandidaten hervor, während der Sohn,auf dem anfangs das Hauptgewicht zu liegen schien, sich mehr inden Hintergrund stellt." Glasenapps Kollege Regierungsrat Fried-heim konnte sich von seinen „sittenpolizeilichen" Bedenken auchjetzt nicht frei machen: daß der Verfasser „angeblich ein namhafterSchriftsteller" sein soll, entgegnete er, könne ihn nicht dazu be-stimmen, „dies jeder höhern Idee entbehrende, dagegen das sittlicheGefühl stark verletzende Stück jetzt hier dem Publikum vorführenzu lassen"; auf die diskrete Darstellung sei kein Verlaß: wenn esunter Vermeidung jeder Frivolität in ernster Weise gespielt werde,werde es schwerlich irgendeine Wirkung tun; dem Schauspielerkönne man es auch gar nicht verargen, wenn er alles tue, um einestarke Wirkung zu erzielen, und die könne hier nur in hohem Maßeden „Anstand" verletzen. Der Polizeipräsident v. Windheim schloßsich dem Votum Glasenapps an, und die Zensurbehörde erhielt darobin der Presse diesmal eine gute Zensur. In der „Germania" allerdings(Nr. 30 vom 7. Februar 1905) wehklagte Paul Lersch: „Was sollman von einem Manne sagen, der .Dichter' sein will und der nichtsbesseres zu tun weiß, als seine Phantasie mit solchen schmutzigenErscheinungen zu bevölkern? Was von einer Bühne, die sich dazuhergibt, Derartiges in glänzender, bewundernswerter Darstellung derÖffentlichkeit zu präsentiren? Was von einer Zensur, die solchemoralische Schw . . . durchgehen läßt?! Dinge, um die jeder halb-wegs anständige Mensch im gewöhnlichen Leben im weiten Bogenherumgeht, um nicht die aufsteigenden Miasmen aufzufangen!Straßenabfälle, die niemand auch nur mit der Schirmspitze anzutippenwagen würde! Was soll man davon sagen? The rest is silence . . ."
HEIDELOFF UND CAMPE, VERLAG.
Die Firma hieß ursprünglich Carl Heideloff in Paris und betriebden Verlag wissenschaftlicher Werke, anscheinend ohne Glück; nachJulius Campes Aussage vor dem Hamburger Senat am 22. Juli 1834hatte Heideloff schon mehrere Male falliert, einmal als Teilhaberder Firma Schubert und tleideloff. Der Hamburger Verleger wardeshalb wenig davon erbaut, daß sich sein Neffe Friedrich NapoleonCampe, der Sohn seines Bruders Friedrich Campe in Nürnberg, mitHeideloff assoziiert hatte. Der vornehme Buchladen in der Rue Vi-vienne war der Treffpunkt aller durchreisenden Deutschen, undCampes beste Autoren saßen in Paris, Heine und Börne; am Endekonnte ihm da eine höchst unliebsame Konkurrenz erwachsen. DieseBefürchtung erwies sich auch als nicht unbegründet: Heine hattedem Pariser Verlag schon ein Buch überlassen, „Zur Geschichteder neueren schönen Literatur in Deutschland", wenn auch nur ineiner beschränkten Auflage; mit Börne stand Heideloff als poli-