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er Mensch ist, unbarmherzig zerbrochen. Es ist nichts weniger alswas unsere Feinde (innen und außen) .Militarismus' schimpfen, washier tendenziös an den Pranger gestellt wird. Die Zulassung desStücks in der jetzigen Zeit, wo das deutsche Offizierkorps sich sohervorragend bewährt und blutet, anderseits alles zu vermeiden ist,was Mißstimmung gegen das Heer bringen könnte, kann meines Er-achtens nicht in Frage kommen." Daraufhin antwortete Oberregie-rungsrat v. Glasenapp dem Breslauer Kollegen: ohne die Zustim-mung des Oberkommandos in den Marken könne er die Erlaubnisnie erteilen; während der Kriegszeit sei auch noch kein Theater umdiese Erlaubnis eingekommen. —
Auch Hartlebens „Angele" wurde durch die Kriegszensur von derBühne verbannt. Als im Februar 1915 das Lessingtheater das Stückzur Genehmigung einreichte, kam unterm 9. März die Antwort: inder jetzigen Zeit sei eine öffentliche Aufführung der Komödie nichtam Platze, sie habe schon bei der Erstaufführung im „KleinenTheater" einigen Anstoß erregt. Diese erste öffentliche Aufführungin Berlin hatte am 5. Februar 1905 stattgefunden, nachdem dasJosephstädtische Theater damit vorangegangen war (30. September1904) und die Zahl der Wiederholungen die 50 überstiegen hatte..Jetzt, da wir das Stück nach vierzehn Jahren wiedersehen, wundernwir uns fast, wie moralisch es ist", schrieb Hermann Bahr im„Neuen Wiener Tageblatt" (1. Oktober 1904). Nürnberg (IntimesTheater) und Elberfeld hatten die Aufführung ebenfalls gewagt,ohne daß es zu einem Ärgernis gekommen war. Da obendrein dasKleine Theater mit Strichen nicht sparte und, wie eine Spielprobezeigte, die Darstellung diskret gehalten war, sprach sich Ober-regierungsrat v. Glasenapp für Zulassung des Werkes auch in Berlinaus. Der erste Akt, so erläuterte er feinsinnig des Dichters Absicht,zeige auf den ersten Blick eine frivole Tendenz. „Liest man aberdas Ganze und legt das tlauptgewicht auf den zweiten Akt, so trittder Anfangseindruck mehr zurück. Man sieht dann, daß es demDichter besonders auf die — seiner Zeit [bei der Uraufführung inder ,Freien Bühne' 1891] von Emanuel Reicher gespielte — Charak-terfigur des Vater Brandes ankam, der infolge des Ehebruchs seinerFrau ein zynischer Genußmensch geworden ist, aber doch einenDrang nach Liebe in sich trägt. Dieser Drang kommt der Angelegegenüber gewaltsam zum Ausbruch, um von ihm ebenso gewaltsamzurückgedrängt zu werden, sobald er sieht oder zu sehen glaubt,daß diese nur selbstsüchtige Motive hat. Daneben treten die Persön-lichkeiten der Angele, die, entsprechend dem Milieu, in dem sie er-wachsen ist, handelt, aber doch durch ihr Verhalten zu dem VaterBrandes zeigt, daß sie einer Wandlung fähig ist, und die des keines-wegs als komische Figur gedachten weltunerfahrenen und mensch-