Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
268
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HARTLEBEN s68

letzten Tage — und Nächte" (S. 192), „ich habe Dich zur Dirnegemacht" (S. 220). „ich habe Dir mein Leben: meinen Leib undmeine Seele hingegeben" (S. 223) und vor allem das Zitat aus eineiallerhöchsten Kabinettsorder über die Pflicht des Offiziers zu ernsterLebensführung (S. 80), das der Polizeipräsident v. Windheim nochüber die Striche des Zensors hinaus für unzulässig erklärt hatte.Am 7. September wurde eine Neubearbeitung vorgelegt, in der derSchauplatz des 5. Aktes geändert war: er spielte jetzt im Offiziers-kasino, nicht mehr in Rudorffs Kasernenwohnung. Die erwähntenZensurstriche wurden auch in dem zweiten Exemplar angebracht.In einer Unterredung mit dem Syndikus des Deutschen Theaters,Justizrat Jonas, ließ aber der damalige Dezernent, RegierungsratDumrath, alle seine Bedenken fallen bis auf drei: das Zitat aus derKabinettsorder blieb gestrichen, die „letzten Nächte" (S. 192) wur-den in „letzte Stunden" verwandelt und das derbe Soldatenlied(S. 194) : „Es war ein Leutenant, der nahm ein junges Weib, dochhat ei eine Liebste noch für'n Unterleib" gemildert: statt der beidenletzten Worte hieß es nun: „zum Zeitvertreib". Damit erklärte sichdie Theaterdirektion einverstanden, und am 3. Oktober 1900 fanddie Uraufführung in Berlin, am 15. Dezember die Premiere in Wienstatt. Der überall unbestrittene Erfolg des Stückes wurde dadurchnicht beeinträchtigt, daß aus Offizierskreisen dagegen Verwahrungeingelegt wurde, als ob Hartleben in seiner Tragödie „wirkliche An-schauungen und Auffassungen unseres Offizierkorps zum Ausdruckbringe" (siehe „Kreuzzeitung" vom 12. Dezember 1900). Als einJahr später eine heftige öffentliche Auseinandersetzung über dieLeistungen der Berliner Zensur entbrannte, durfte sich Regierungs-rat Dumrath einiges darauf zugute tun, daß unter seinem Regimedieses Stück Hartlebens so gut davongekommen war.

Der Ausbruch des Weltkrieges verdrängte natürlich Stücke wieden „Rosenmontag" gänzlich vom Repertoir der deutschen Bühnen.Als man in Breslau 1917 eine Aufführung plante, fragte die dortigePolizei erst in Berlin an, wie man darüber denke. Hier war man einigdarin, daß eine Freigabe des Stückes jetzt ausgeschlossen sei. Ein Aus-hilfsreferent im Polizeipräsidium, Dr. Jagow, erklärte mit Nach-druck: „Nicht nur, daß zwei Angehörige des Offizierstandes einepersönlich gemeine Handlungsweise begehen, indem sie das ihnenanvertraute Mädchen eines Kameraden in raffinirter Weise verkup-peln und deren Ruf vernichten — viel schwerer fällt ins Gewicht, daßdieser Vorgang vom Dichter ins Allgemeine erhoben worden ist.Der im Offizierkorps herrschende Geist, dessen bewährte und guteEigenschaften außer Acht gelassen werden, verlangt völliges Auf-gehen des Individuums in die einmal erwählte Gemeinschaft, dieals isolirte Kaste gekennzeichnet ist; der einzelne wird dabei, soweit