HARTLEBEN
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sische Ehebruchsschwänke zuläßt, deutsche Liebesdramen aberwegen Mangels standesamtlicher Mitwirkung verbietet, so muß manzu dem Schluß kommen, daß er den Ehebruch für weniger unsittlichhält, als das Liebesverhältniß zweier unverheirateter Personen.'
Zur Entstehung des Stückes gab Grelling dann eine interessanteBerichtigung der Angaben des Polizeipräsidenten. Daß die wirk-lich existirende Johanna Jagert bei der Titelheldin Modell gestandenhabe, sei richtig. „Es ist aber neu, daß man von einem KünstlerRechenschaft fordert nicht nur über sein Kunstwerk, sondern auchüber die Modelle, die er dazu benutzt hat. Entweder das Kunstwerkselbst ist anstößig, dann kommt es nicht darauf an, wer als Modeldazu gedient hat; — oder das Werk ist vorwurfsfrei, dann schadet esihm nicht, wenn auch die anstößigste Persönlichkeit dem Autor alsVorbild vorgeschwebt hat. Was Johanna Jagert getan, kann man derHanna doch nicht zur Last legen; wenn Johanna Socialdemokrati»war, braucht es Hanna noch nicht zu sein. Kurz, man muß einKunstwerk aus sich selbst, und nicht aus Dingen, die außerhalbseiner liegen, beurteilen. Interessant ist aber, wie gerade der von derGegenseite gewählte, unrichtige Standpunkt den Herrn Beklagtenirreführt. Die Johanna Jagert des Lebens, welche ihr Verhältnismit janiszewski ihrerseits gelöst hat — nicht umgekehrt! —, weil sieeinen anderen Mann liebte, und die jetzt in London mit dem ehr-samen Schneidergesellen — nicht jüdischen Finanzier! — Rosenverheiratet ist, ist gerade wegen dieser freien Liebeswahl, die ihr derabgedankte Janiszewski nicht verzeihen konnte, von der Socialderno-kratie geächtet, beschimpft und aus dem Lande getrieben worden . ■ •Gerade das, was der Herr Oberpräsident als Ausfluß einer social-demokratischen Weltanschauung ansieht, was Johanna und HannaJagert ungefähr gleichmäßig getan haben, ist von der offiziellenSocialdemokratie selbst als unsittlich gebrandmarkt worden. Wennes also unsittlich sein sollte, so ist es jedenfalls nicht speziell social-demokratisch unsittlich.
„Wenn man übrigens nach dem Muster der Gegenerklärung dieLebensführung der Johanna Jagert der Hanna Jagert zur Last legenwill, so muß man ihr auch die Handlungen zugute halten, durch dieJohanna sich in Übereinstimmung mit den herrschenden Sitten- undWirtschaftsanschauungen gesetzt hat. Johanna Jagert ist ehrbar ver-heiratet und betreibt in Gemeinschaft mit ihrem Manne eineSchneiderwerkstatt, ganz in kapitalistischer Manier, sie scheint alsovon den Anschauungen über freie Liebe und Gemeinwirtschaft, diesie nach der Behauptung des Herrn Oberpräsidenten früher gehabthaben soll, zurückgekommen und in den Hafen der Ehe und derPrivatwirtschaft eingelaufen zu sein. Ähnlich ist es der Hanna Jagertauch gegangen, und es ist schwer zu erkennen, wie in dieser Ent-