Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
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250
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GERVINUS 250

Göttingen ungehindert unter die Leute. Im Vorwort zu den „Kleinenhistorischen Schriften" motivierte Gervinus den Abdruck kurz undsachlich: man möge nicht mehr darin suchen, als dahinter sei. „DieLeipziger Censur hat sie gestrichen; es wäre auch nichts an ihr ver-loren gewesen. Sie ist unter den allerfrischesten Eindrücken, da esdie Gelegenheit so fügte, hingeschrieben. Ich hätte nun Zeit gehabt,die Empfindungen mit Urteilen zu vertauschen, aber ich wollte esausdrücklich nicht. Ich gebe die wenigen Zeilen so, wie sie gestrichenwurden. Denn ich bin nicht gesonnen, mir es wehren zu lassen, übermeine Angelegenheiten in meiner Art unter meiner Verantwortungzu reden. Auch schadet es nicht, daß man in Deutschland noch deut-licher, als man schon weiß, erfahre, wie viel dem König von Hannovergestattet ist, selbst der sächsischen Censur zu verbieten, in derselbenZeit, wo Preußen die Injurien der bairischen nicht hemmen kann." Eintapferes Wort! Als Gervinus das im März 1838 schrieb, war derKölnerKirchenstreit ausgebrochen und der bayrischen Presse wurden nun diesonst so straffen Zügel sehr locker gelassen, da es gegen Preußen ging'

Natürlich wurde das Buch in Hannover sofort verboten und be-schlagnahmt (14. April 1838) ; die bei dortigen Buchhändlern kon-fiszierten Exemplare wurden in Gegenwart eines Polizeibeamten ver-packt und von der Polizei selbst auf die Post befördert; sie gingenan den Verleger zurück. — In Berlin war man über Gervinus'Dreistigkeit ebenso entrüstet. Das Oberzensurkollegium (GeheimratTzschoppe, Referent im Polizeiministerium und Geschäftsführer derMinisterialkommission, vgl. S. 386) legte am 14. August das Buchdem Minister v. Rochow mit folgendem Schriftsatz vor:

„E. E. überreichen wir hierneben s. p. h. r. ganz gehorsamst eineSchrift des vormaligen Göttinger Professors Gervinus, welche unterdem Titel:

Gesammelte kleine Historische Schriften von G. G. Gervinus vorKurzem in Karlsruhe erschienen ist.

Es befindet sich darin S. XI eine Vorrede zum dritten Bande dervon Gervinus herausgegebenen Geschichte der poetischen National-literatur welcher im laufenden Jahre zu Leipzig erschienen ist; in-zwischen ist dieselbe in dieser Schrift, wie wir bei deren Einsicht ent-nommen, nicht abgedruckt, vielmehr, wie Gervinus in der AnlageS. VIII selbst bemerkt, von der Leipziger Censur gestrichen worden.

Dessenungeachtet hat der Verfasser solche in der anliegendenSchrift abdrucken lassen und da in derselben die gröbsten Verun-glimpfungen einer dem Preußischen Staate befreundeten Regierungvorkommen, auch Mißvergnügen in einem deutschen Bundesstaategefördert wiid, so können wir die gedachte Schrift zur Verbreitungin den diesseitigen Staaten, nicht geeignet halten. Indem E. Exe. wirhiernach ganz gehorsamst anheimstellen,