Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
91
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91 . FICHTE

gäbe unserer Rechte, die ihr uns doch wohl nur aus Irrthum nahmt . . .Fürst, du hast kein Recht, unsere Denkfreiheit zu unterdrücken: undwozu du kein Recht hast, das mußt du nie thun, und wenn um dichherum die Welten untergehen, und du mit deinem Volke unter ihrenTrümmern begraben werden solltest. Für die Trümmer der Welten,für dich, und für uns unter den Trümmern wird der sorgen, der unsdie Rechte gab, die du respectirtest . . . Und besonders ihr alle, dieihr Kräfte dazu habt, kündigt doch jenem ersten Vorurtheile, worausalle unsere Übel folgen, jener giftigen Quelle alles unseres Elendes,jenem Satze: daß es die Bestimmung des Fürsten sey, für unsereGlückseligkeit zu wachen, den unversöhnlichsten Krieg an;verfolgt ihn in alle die Schlupfwinkel, durch das ganze System unseresWissens, in die er sich versteckt hat, bis er von der Erde vertilgt undzur Hölle zurückgekehrt sey, daher er kam."

Und zu einer Zeit,- da die deutschen und österreichischen Heeregegen die französische Republik im Kampfe lagen, beschwört er dieVölker: „Alles, alles gebt hin, nur nicht die Denkfreiheit. Immergebt eure Söhne in die wilde Schlacht, um sich mit Menschen zuwürgen, die sie nie beleidigten, oder von Seuchen entweder aufgezehrtzu werden, oder sie in eure friedlichen Wohnungen als eine Beutemit zurückzubringen; immer entreißt euer letztes Stückchen Brot demhungernden Kinde und gebt es dem Hunde des Günstlings — gebt,gebt alles hin; nur dieses vom Himmel abstammende Palladium derMenschheit, dieses Unterpfand, daß ihr noch ein anderes Loos bevor-stehe, als dulden, tragen und zerknirscht werden, — nur dieses be-hauptet. Die künftigen Generationen möchten schrecklich von euchzurückfordern, was euch zur Überlieferung an sie von euren Väternübergeben wurde. Wären diese so feige gewesen als ihr — ständetihr dann nicht noch immer unter der entehrendsten Geistes- undLeibes-Sklaverei eines geistlichen Despoten? Unter blutigen Kämpfenerrangen jene, was ihr nur durch ein wenig Festigkeit behauptenkönnt."

Solche Worte mochten den neuen preußischen Machthabern son-derbar in die Ohren klingen, und wenn Wöllner sie gelesen hat, wirder mehr als einmal drohend die Faust gegen den kühnen Anklägergeballt haben. Besonders bei der Aufforderung an die Völker: „Ruftes in jedem Tone euren Fürsten in die Ohren, bis sie es hören, daßihr euch die Denkfreiheit nicht werdet nehmen lassen, und beweistihnen die Zuverlässigkeit dieser Versicherung durch euer Betragen.Lasset euch nicht durch die Furcht des Vorwurfs der Unbescheiden-heit abschrecken. Gegen was könntet ihr denn unbescheiden seyn?Gegen das Gold und die Diamanten an der Krone, gegen den Purpuram Kleide eures Fürsten; nicht — gegen ihn."

Während sich Fichtes übrige Rede in pathetischen Allgemeinheiten