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ganz mißraten bin. Oder will man mir, nachdem ich 15 Dramen ge-schrieben habe, durch Fingerzeige den Weg deuten?! Diesen Sommerstieß ich auf Wohnungssuche, fliehend vor den Hunderttausend-Mark-Villen Wannsees, zu Kleists Grab. Es lag ein frischer Ver-gißmeinnichtstrauß dort. Er gefiel mir, doch konnte ich den Ge-danken nicht los werden, daß Kleist eine so billige Wohnung nichtgenommen hätte, wenn er hunderttausend Mark in der Tasche ge-habt hätte. Aber so bin ich nicht. Ich brauche mindestens 1300 Mark,um Miete bezahlen zu können für Kinder-, Schlaf- und Arbeits-zimmer.
Die Zeit meines dramatischen Schaffens überblickend, kann ichfeststellen, daß ich von den Theatern ein ganzes Dezennium langlinks liegen gelassen wurde. Die jüngste Zeit brachte darin eine ent-schiedene Wendung. Fast scheint es, als ob der Weltkrieg das Ver-ständnis für meine Stoffe und ihre Behandlung geweckt hätte. DasVerbot stellt somit einen offenen Widerspruch dar zu den allseitigenBekundungen der Anerkennung meiner lange Jahre verkannt ge-bliebenen Arbeit.
Es ist der Gegenstand einer innersten Bitte, daß die Zensur das Werknachträglich zur Aufführung frei geben möchte. Bei der Abfassungdes Dramas war ich von rein künstlerischen Absichten geleitet."
Dieser Notschrei verklang unerhört. Ein halbes Jahr später ver-stummte der Dichter für immer.
Noch einmal machte das Lessingtheater einen Versuch, derZensur ihr Opfer zu entreißen. Am I. August 1918 richtete es an dasPolizeipräsidium folgendes Schreiben:
„Die Direktion des Lessingtheaters bittet hierdurch, die Freigabedes Trauerspiels ,Ihr stilles Glück' von Hermann Essig noch einmalin geneigte Erwägung ziehen zu wollen. Wie bekannt, ist HermannEssig, der trotz einem schweren Lungenleiden als Offiziersstellver-treter im Kriege seine Waffenpflicht erfüllt hat, in diesem Juni ge-storben. Der Dichter hinterläßt eine Frau und vier Kinder, für dieSubsistenzmittel so gut wie garnicht vorhanden sind. Die Familiesieht sich demnach ausschließlich auf die Erträgnisse angewiesen,die ihr aus den hinterlassenen Bühnenwerken des Dichters zufallenkönnen. Die Direktion des Lessingtheaters gestattet sich daher dieVermutung, daß die Behörde die durch den Todesfall des Dichtersgeschaffene Situation aus rein menschlichen Gründen zum Anlaßnehmen wird, um sich noch einmal mit der Frage der öffentlichenFreigabe des obengenannten Trauerspiels zu befassen.
Abgesehen von diesen menschlichen Erwägungen, deren sich dieBehörde wohl auch annehmen dürfte, erlauben wir uns zu betonen,daß gerade das Trauerspiel ,Ihr stilles Glück' in Betracht kommt, umdas literarische Ansehen eines Dichters zu erhalten, der im Leben
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