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2 (1928)
Entstehung
Seite
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ESSIG

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ein Erfolg, den Dreyer von seinem „Tal des Lebens" wohl zu aller-letzt erwartet haben dürfte: es war ein Markstein in der Geschichteder Theaterzensur geworden! Der Dichter selbst hat dann mit dieserneu konsolidierten Behörde nie wieder bemerkenswerte Konfliktegehabt. (Dreyers Werke sind jetzt im VerlagL.Staackmann,Leipzig.)

ESSIG, HERMANN (1878—1918).

Am 8. Juni 1918 hat die Volksbühne am Schiffbauerdamm Her-mann Essigs „Kuhhandel" für das Gegenwartstheater erobert. Wasim Dezember 1917 mit Skandal abgelehnt wurde, fand jetzt Ver-ständnis und Beifall, und wenn wieder zwei Jahrzehnte verstrichensind, wird vielleicht Essigs Lebenswerk dem deutschen Bühnenspiel-plan völlig einverleibt sein. Dann wird er „frei" sein wie ein Klassiker,und man wird ihn schon deshalb bevorzugen, weil er Tantiemenspart, denn ob seine Erben hungern, danach fragt das deutsche,noch immer unveränderte Urheberrecht nicht. Und die Zeit fragtnicht danach, ob ein Dichter an ihr zugrunde geht. Er stand imKampf gegen seine Zeit; er gehörte zu denen, die „töricht genug ihrvolles Herz nicht wahrten, Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offen-barten" und die man „von je gekreuzigt und verbrannt" hat. Manmachte es diesmal menschlicher: man ließ ihn einfach verhungern.

Am 20. Juni 1918 starb Hermann Essig an einem Lungenleiden,das er sich im Kriege geholt oder das sich durch erlittene Strapazenund Not verschlimmert hatte. Jene Aufführung in der „Volks-bühne" 1928 war eine würdige Gedächtnisfeier. Er brach in Kämpfer-stellung zusammen, verzweifelt ausholend gegen seine Zeit und denVollstrecker ihres Durchschnittwillens, die polizeiliche Theater-zensur, die ihm den Zugang zu den wenigen Bühnen verwehrte, diesich seiner ernstlich annahmen. Den Tod auch seines grimmigstenGegners hat er nicht mehr erlebt. Über dieses Gegners letzteZuckungen sei hier, zur Erinnerung an den Dichter, einiges doku-mentarisch festgelegt, damit man wisse, wie es anno 1917 und 1918unter der Geisel überreizter Kriegszensur gewesen ist.

Vom „Kleinen Theater" wurde am 4. August 1917 Essigs „PastorBindfleisch" dem Polizeipräsidium zur Genehmigung vorgelegt. Be-geisterung erweckte er dort begreiflicherweise nicht. Der erste Refe-rent gab davon (15. August) zunächst eine Inhaltsskizze, die der nach-folgenden Kritik zugrunde lag, daher hier nicht fehlen kann:

„In einem Bauerndorf hat ein Pastor seine neue Stellung ange-treten und läßt sich ein Verzeichnis der zur Pfarre gehörigen Gegen-stände und Gerechtsame geben. Die Leistungen der Gemeinde er-scheinen ihm recht dürftig, insbesondere fällt ihm auf, daß zwar einKuhstall, aber keine Kuh vorhanden ist. Schließlich fragt er einenOrtsarmen, ob er einmal eine der Pfarre gehörige Kuh gesehen habe.