73 ESSIG
Dieser weiß sich auch zu erinnern, daß im Jahre 1850 infolge einerViehseuche die zur Pfarre gehörige Kuh verendet sei. Der Pastorveranlaßt den Küster, die in dem Glockenturm liegenden Aktendaraufhin nachzusehen, ob sich Belege für seinen vermeintlichenAnspruch auf eine Kuh finden ließen. Die Mitternachtsstunde er-scheint den Beteiligten für ihr Vorhaben als besonders geeignet, dochhaben sie nicht damit gerechnet, daß der Uhrmacher, ein Gemeinde-rat, der ohnehin immer Schwierigkeiten in Gemeindeangelegenheitenmacht, auf dem Posten ist. Der Uhrmacher hat mitangesehen, daßder Küster in den Akten eine Notiz gefunden hat, wonach die Pfarreauf ihren Anspruch, eine neue Kuh zu erhalten, gegen Abtretungeines Stück Landes verzichtet hat, auch daß die Küstereheleuteaus Furcht vor dem Pfarrer diese Akten unterdrückt haben. DerPastor findet infolgedessen nur Akten aus dem Jahre 1849, bei denensich ein Inventarverzeichnis, in dem eine Kuh verzeichnet ist, be-findet. Infolge der Eifersucht der jungen Frau des Pastors wird dieSache schon in der Nacht ruchbar, und der Gemeindevorstand beruftam frühen Sonntagmorgen die Gemeinderäte zu sich, um einen Be-schluß über die Bewilligung der Kuh herbeizuführen, bevor derPastor seine Absicht, die ganze Angelegenheit in seiner Predigt über,,die sieben fetten Kühe" zur Sprache zu bringen, ausführen kann.Der Beschluß des Gemeinderates wird dem Pastor mitgeteilt, dochdieser begnügt sich nicht damit, daß man ihm die Kuh gutwilligzugesprochen hat, sondern eilt in die Versammlung der Gemeinde-räte, um denselben den Standpunkt klar zu machen und sein „Recht",nicht aber eine Gnade zu erhalten. Nur der Uhrmacher fehlt in demGemeinderat. Alles glaubt, der Uhrmacher sei entflohen, weil esherausgekommen ist, daß er die Gemeinde in Uhrmacherangelegen-heiten dauernd betrogen hat. Da erscheint derselbe plötzlich mitdem für den Pastor verhängnisvollen Aktenstück aus dem Jahre1850. Der Pastor müßte nun eigentlich auf seine Ansprüche ver-zichten, aber er erinnert sich, daß ja eigentlich der Gemeindevorstandihm die Kuh versprochen hat, und dieser muß sich wohl oder übelbereit erklären, die Kuh aus seiner Tasche zu bezahlen."Diese Inhaltsangabe führte zu folgendem kritischen Urteil:„In dem Stück wird der Pastor als habgierig und ziemlich skrupel-los geschildert, Eigenschaften, die sich mit der Tätigkeit eines Pastorsnicht vertragen, dazu kommen noch seine wiederholten Handgreif-lichkeiten und groben Schimpfworte, sowie der in Aussicht ge-nommene Predigttext (S. 10), die ihn in noch ungünstigerem Lichteerscheinen lassen. Auch wirkt es unsympathisch, daß der Pastor dieKuh vom Gemeindevorstand haben will, obwohl er weiß, daß der-selbe nur durch einen Irrtum zu diesem Versprechen veranlaßtworden ist. Meines Erachtens eignet sich daher das Stück nicht zur