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DREYER
vordringlich dieses Amtes gewaltet. Und so wirkte diese fortzeugendBöses und veranlaßte ein hochwürdiges und in zwiefachem Sinne.geladenes' Auditorium, in einer gereizten OppositionsstimmungSchamlosigkeiten zu bejubeln, die ein nicht voreingenommenes Pu-blikum mit Nachdruck zurückgewiesen hätte." Im Gegensatz dazuhatte der „Lokalanzeiger" ausdrücklich bezeugt, daß man nichts ge-spürt habe von einer „demonstrativen Kundgebung für das Stück nuretwa deshalb, weil es verboten ist". Julius Hart fertigte im „Tag" dasStück als „Operette" ab. Auch Alfred Ken- („Von der Zensur" im„Tag" vom 5. März 1903, Nr. 107) ließ das Stück fallen, protestierteaber gegen das Urteil des Oberverwaltungsgerichts, das die Erlaubniszur Darstellung historischer Unsittlichkeit von dem sittlichen Ernstdes Dichters abhängig mache.
Von den an der Aufführung teilnehmenden Abgeordneten erhobDr. Theodor Barth schon am 7. Februar im Preußischen Abgeord-netenhaus Beschwerde über das Verbot. Der Minister des Innern,Frh. v. Hammerstein, antwortete darauf: „Soweit mir das Stückbekannt ist, handelt es sich darum, daß vor etwa 150 Jahren in einemZweige unseres brandenburgischen Königshauses versucht wordenist, auf unsittlichem, unerlaubtem Wege eine Nachkommenschaft zuerzielen. Daß so etwas nicht ins Volk hineingebracht werden darf,ist in einem monarchistischen Staate vollkommen selbstverständlich."(Vgl. Sitzungsbericht 1903. I S. 1017, 1026.) Diese Worte sprachein preußischer Minister im Jahre 1903, nicht etwa der — Markgrafin Dreyers „Tal des Lebens"!
Eine nachdrückliche Kundgebung der Öffentlichkeit gegen dasBerliner Zensurverbot aber war die Aufnahme des Stückes auf andernTheatern. Verbote in der Provinz blieben vereinzelt; das Polizei-präsidium in Stettin untersagte im Juni 1904 dem dortigen Bellevue-Theater die Aufführung, aber sogar Dresden gab sie dem Residenz-theater frei, trotz der lokalen Aktualität des Stoffes. „Wie wär's,wenn Dresden und Berlin mal mit den Censoren tauschten?" meintedas „Berliner Tageblatt" (31. März 1903). Im Bremer Stadttheatererzielte der Schwank Anfang März 1904 einen starken Erfolg; dievorsichtige Direktion hatte aber durch eine Zeitungsnotiz die jungenMädchen bitten lassen, „wegen der freien Tendenz des Stückes ge-fälligst fern zu bleiben"! (Vgl. „Berliner Zeitung" vom 8. März 1904.)Sogar die Wiener Zensur erwies sich liberaler als die Berliner: am6. Mai 1904 erzielte das Ensemble des Deutschen Theaters bei seinemGastspiel auf dem Wiener Carl-Theater mit dem „Tal des Lebens"einen „starken Heiterkeitserfolg, der durch keinerlei sittliche Be-denken getrübt war"; einige Blätter sprachen jedoch von einer „Ab-lehnung" durch das Wiener Publikum. Die niederösterreichischeStatthaltern hatte nur wenige Stellen gestrichen. (Vgl. „Berliner