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2 (1928)
Entstehung
Seite
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DREYER 68

worte; ein witziger Einfall ist ihm schon eine Überzeugung, undauch dieser Schwank bei all seinen Schwächen ist reich an solchenÜberzeugungen. Dreyer hält es für modern, für alles Illegitime z uschwärmen. In den Spuren unverstandener Großer wertet er um,auch wo es gar nichts umzuwerten gibt. Er begeistert sich für dasAmmenwesen und läßt einen unmöglichen Pastor sich dafür be-geistern. Weil ziemlich alle Welt darin einig ist, daß wirkliche Un-moral und Verlotterung in dieser Institution stecken, nur darumrühmt er die Treue und Zärtlichkeit in diesem zu Geschäftszweckengeschlossenen Verhältnisse. Er markirt so gern den Einsamen. Erspielt den wilden Mann mit der persönlichen Weltanschauung." Umjene Zeit wurde im Lessingtheater Brieux' „Les remplagants" ge-spielt, ein Tendenzstück gegen das Ammenwesen. — Ähnlich urteilteNorbert Falk in der „Berliner Morgenpost": „Das Stück trägt alleKennzeichen der Schnellarbeit, es ist schludrig und in der gewolltenKarikatur unkünstlerisch. Aber es ist sehr bühnengeschickt, immerlustig und wirksam, als Theaterarbeit ungemein flott." Die Kunstverliere aber bei dem Verbot nichts: der Schwank werde von derPosse verdrängt, Genre Offenbach.—Voll moralischer Entrüstung tatRudolf Herzog in den „Berliner Neuesten Nachrichten" die „Zote"ab; der Verfasser sei „nur ein geschickter und skrupelloser Theater-kenner, der die grobsinnlichen Instinkte seines Publikums auswendigwußte"; Witz und Humor seien billig und plump: „Es fehlten, beiLicht betrachtet, im Zuschauerraum nur noch die Biertische, und derUlk wäre nach Art der .Sitzungen ohne Damen' vollendet gewesen.Sonderbar: gerade die Damen im Parkett und in den Logen warenes, die sich so wundervoll köstlich amüsirten. .Willst Du genau er-fahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an . . .'" Diegleiche Beobachtung machte Alfred Grünstein (G-n) in der „BerlinerBörsen-Zeitung", auch er fühlte sich während der Vorstellung wiebei einem karnevalistischen „Herrenabend" und sah sich gedrungen,der Zensurbehörde seine Anerkennung auszusprechen. —• Auch Ru-dolf Presber (R. P.) in der „Post" gehörte zu den Mißvergnügten,sprach von karnevalistischer Herrensitzung, Operettengenre usw.und sah „einen an Talent und Wollen einst so sympathischen Dichterauf schlüpfrigem Wege eine beträchtliche Strecke nach untengleiten. In der Richtung der Trikotbühne" — also just in der Rich-tung, in die, nach dem „Vorwärts", gerade die Zensur den Dramatikertreiben sollte.

Diese Unsicherheit des öffentlichen Urteils führte Hans Land inNo. 10 der „Peitsche" vom 15. Februar wieder auf die aufreizendeTätigkeit der Zensurbehörde zurück: „Die Keckheiten und Anzüg-lichkeiten gehen hier und da über die Grenze des Erlaubten, und manhätte sie gebührend zurückgewiesen, hätte die Zensur nicht bereits