Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
42
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BRUNET 4 2

will, stand vielleicht nur auf dem Papier oder war ein Vorschuß aufden spätem Ertrag. Abrechnungen zwar haben sich bisher nichtgefunden, und Bestände dieser Bände wurden noch lange in CampesHandlungsbüchern aufgeführt.

Daß Börne selbst sich in einem Versteckspiel, wie es Campe übte,gut auskannte, ergibt sich aus spätem Briefen. Schon 1835 suchteer einen neuen Verleger für seine Schriften. Zuerst bot er sieS. G. Liesching in Stuttgart an. In diesem (unveröffentlichten) Briefvom 19. August 1835 spricht er nur von den acht Bänden; dasVerlagsrecht Campes laufe Mitte nächsten Jahres ab. 1836 verhan-delte er darüber mit einer andern Stuttgarter Firma, an die ihnLiesching, selbst nicht kapitalkräftig genug, verwiesen haben mag,mit J. Scheible. Und schließlich fiel seine Wahl auf einen drittenStuttgarter, die Brodhagsche Buchhandlung, an der wieder Scheiblebeteiligt war. Dort sollten damals Eduard Beurmanns „VertrauteBriefe über Preußens Hauptstadt" erscheinen (vgl. den Artikel: Beur-mann, S. 28ff.), und an eben diesen Beurmann als den Vermittler mitder Firma Brodhag schrieb Börne am 21. November 1836 einen Brief(Geiger, a. a. O. S. mf.), worin er genau auseinandersetzte, wieeine Neuausgabe seiner Schriften, bei der er sich nicht wieder einerdeutschen Zensurbehörde unterwerfen wollte, Zustandekommenkönne. „Ich könnte ja alles was ich wollte hier angeblich auf meineeigene Kosten drucken lassen, einen hiesigen Buchhändler als Ver-leger darauf setzen, der deutsche Buchhändler honorirte mir dasBuch, bezahlte die Druckkosten und hätte dann nur allein mit mirabzurechnen. Er braucht mir dabei nur diejenigen deutschen Buch-händler vertraulich anzugeben, welchen ich das Buch in Kommissiongeben soll. Später würde ich dem wahren Verleger den Auftraggeben inmeinem Namen mit dem Kommissionär abzurechnen,so erführe keine Seele auf der Welt, in welchem Verhältnis wirständen." Genau so hatte er es ja mit den „Briefen aus Paris" ge-halten, bei denen er, wenigstens beim Kommissionär Volckmar, alsder eigentliche Auftraggeber galt; Börne schildert hier offenbar diePraxis, die bei jenem Werk geübt worden war. Auch hierbei istnicht klar gesagt, in welchem Vertragsverhältnis er dabei zu demeigentlichen Verleger stand. Die „Honorirung", von der er spricht,schließt einen Kommissionsverlag durch Hoffmann und Campe nichtaus, und die andern obenerwähnten Umstände machen ihn wahr-scheinlich.

Bei Brodhag erschien auch tatsächlich, allerdings erst nach BörnesTod, die neue, von den Erben autorisierte Ausgabe seiner Schriften,die den skrupellosen Nachdrucker in Hamburg kaltstellen sollte, abermit dem Verlag selbst bald von der Bildfläche verschwand, so daßCampe sich ins Fäustchen lachte.