Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
41
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4 I BRUNET

Laxheit der Altenburger Zensur und die vielen offenbaren. Durch-stechereien waren die Minister überdrüssig. Kam Pierers Beteiligungan Börnes „Briefen" heraus, dann war Holland in Not. Aber Jacobwußte sich auch für diesen Notfall zu sichern. Seit 1819 waren inAltenburg Bücher über 20 Bogen Umfang zensurfrei, das Risikobei Band 3 und 4 daher nicht annähernd so groß gewesen. Damitkonnte man sich jetzt leider nicht mehr herausreden, denn seit dem9. Februar 1833 war die Zensurfreiheit auch für umfangreiche Bücheraufgehoben und alles unter Aufsicht gestellt worden; Pierers Be-triebsamkeit wird zu dieser Verschärfung des Preßgesetzes in Alten-burg zweifellos den Anlaß gegeben haben. Aber wozu hatte mandie „Brieffabrik"? Campe hatte das Manuskript schon im Januar 1833geschickt und bei einer Konventionalstrafe von 500 Taler die Druck-herstellung innerhalb vier Wochen verlangt — wenn man das durchfalsche Kontrakte und die dazugehörige Korrespondenz beweisenkonnte, war man fein heraus, Band 5 und 6 waren dann schon vorInkrafttreten des neuen Zensurgesetzes fertig! Also fix an die Arbeit

— die Behörden mochten nur kommen — es war alles da! DaßBörnes Briefe datiert und ihr letzter im 6. Bande vom — 19. März1833 war, daran dachte offenbar niemand.

Zu diesem Äußersten kam es nicht. Volckmar spielte seine Rollemit Unbefangenheit, und die Leipziger Gerichte fanden alles in Ord-nung oder sie billigten ihm doch guten Glauben zu. Pierer brauchtedie gefälschte Korrespondenz mit Campe über den schon im Januar1833 erteilten und sofort ausgeführten Auftrag nicht vorzuweisenund ebensowenig nach Amerika zu gehen. Juristisch stimmte alles,und wenn auch die Ministerien „nicht durchaus Strohköpfe" waren

— sie mochten sich bei Jacob für dieses Kompliment bedanken —,Gerichtsurteile ließen sich nur kassieren, wenn tatsächliche Form-fehler vorlagen; auf deren Vermeidung lief daher alles hinaus. Aufdie Praxis der Leipziger Gerichte und auf die Zuverlässigkeit ver-legerischer Handlungsbücher läßt dieses ganze Spiel immerhin einigeSchlüsse zu! —■

Diese Korrespondenz zwischen Pierer und Campe beweist also,daß der Hamburger Verleger den Druck auch der Bände 3 bis 6der „Briefe aus Paris" in Auftrag gab und in seinem Namen dieVersendung besorgt wurde. Über sein vertragliches Verhältnis mitdem Verfasser gibt auch sie keinen Aufschluß. Das ganze Versteck-spiel mußte sich genau so vollziehen, wenn Hoffmann und Campewirklicher Verleger war oder wenn es sich bei diesen Bänden nurum einen Kommissionsverlag handelte, den Campe für Börne über-nahm. Die Äußerungen Börnes selbst an Frau Strauß-Wohl sind nichtanders zu bewerten, wie die gefälschten Briefe der buchhändlerischenKomplizen; das Honorar, das er bei Band 3 und 4 erhalten haben