BRUNET 4°
Briefe 3. und 4." handelt, und unten steht der Avis au lecteur:„NB. NB. In diesen Briefen behandelt der Vf. in seiner geistreichenund freisinnigen Weise die höchsten Interessen des gebildetenEuropa, angeknüpft an die welthistorischen Ereignisse der Gegen-wart. Sie sind unstreitig die wichtigste Erscheinungder neuern Literatur, erlaube mir daher, Dieselben noch besondersIhrer Aufmerksamkeit zu empfehlen, bitte aber auch zugleich a u striftigen Gründen um deren möglichst schnelleVerbreitun g." Aus denselben triftigen Gründen wird der Emp-fänger, wenn er die Sendung annahm, die Faktur alsbald vernichtethaben.
Ein Vabanquespiel war das Ganze immer, denn das sächsischeZensurmandat vom 10. August 1812 („ein göttliches Mandat aus derNapoleonischen Zeit", wie Jacob spottete) befahl den LeipzigerKommissionären, nur von solchen Komittenten Sendungen anzu-nehmen, die sich durch beglaubigte Dokumente legitimiert hatten;diese Legitimationen mußten der Bücherkommission vorgelegt, vonjeder Sendung mußte ihr vor der Weiterverbreitung Anzeige ge-macht werden; Übertretungen wurden mit 50 Taler Strafe geahndet,im Wiederholungsfall mit Schließung des Geschäfts; wer aber Büchermit „erdichteter Handlungs-Firma", die „ohne Unterschied ihresInhalts der Confiskation unterworfen" waren, weitergab, hatte sechsWochen Gefängnis zu erwarten. Doch die Leipziger Behördennahmen es nicht so sehr genau, der Buchhandel durfte nicht ge-schädigt werden, nur mußten die Verbrecher für ein glaubhaftesAlibi sorgen. „Wenn so ein Untersuchungsrichter will," schriebdieser „wahre Jacob" aus Altenburg am 2. April 1834 an Campe,„so mögen die Herren Minister die Finger sich abschreiben undAndere abschreiben lassen, die Sache wird, wie er will; aber dieProtokolle müssen untadelhaft, so consequent, wahrschein-lich und geschäftlich in Ordnung seyn als möglich, denndurchaus Strohköpfe sind die Leute in den Ministerien nicht, alsodas Gericht muß, selbst mit dem besten Willen, die Sachen so vor-legen können, daß an eine Cassation seines Verfahrens nicht gedachtwerden kann." Darauf hatte auch Jacob alles eingerichtet und ebensoVolckmar.
Dennoch gab es bei Band 5 und 6 in letzter Stunde noch einigeaufregende Minuten. An „Deckungen" war allerhand beschafft, aberdoch nicht genug, und Volckmar geriet in Verlegenheit — er drohteumzufallen! Er hatte offenbar nur das „kleine Ehrenwort" gegeben'Alle Mitspieler verloren den Kopf: Volckmar wollte Pierer, Piererwollte Campe nennen. Rette sich wer kann! Pierer in Altenburg standmit der dortigen Regierung schon über Kreuz; der ewigen Rekla-mationen der auswärtigen Behörden, besonders Preußens, über di e