Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
31
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3I BEURMANN

bergische Zensur lasse manches stehen, was in Berlin gestrichenwerde; dann mache der Verleger am Ende gar zwei Ausgaben, unddas Publikum könne sich genau darüber unterrichten, was man„diesseits" für anstößig gehalten habe; auch wenn das Manuskripthier zensiert werde, könne man den Verleger doch nicht zwingen,beim Druck etwas fortzulassen. Daher sei es am besten, schon jetztdie nötigen Anstalten gegen die Verbreitung der Schrift in Preußenzu treffen.

Das Verbot der „Vertrauten Briefe" im voraus war dem Verlegerrecht unbequem; andererseits ärgerte sich der preußische Geschäfts-träger, daß er seinen Berliner Auftraggebern so wenig zu Dank ge-arbeitet hatte. Die Beschlagnahme des Buches in Stuttgart selbst warnicht zu erreichen; es war hier ordnungsmäßig zensiert, und wer sichetwa durch seinen Inhalt verletzt fühlte, dem stand nur die Klagebei Gericht offen. Brodhag wolle aber, so berichtete Herr v. Salviati,das Buch, von dem erst zehn Bogen gedruckt seien, nach den Wün-schen der preußischen Regierung umarbeiten. Am 16. März sandtetatsächlich der Verleger das Manuskript zum zweitenmal nach Berlin.Einiges hatte er schon geändert; ob noch mehr mißfällige Stellendarin seien? Mit dem Weiterdruck wolle er einstweilen warten.

Jetzt hatte man in Berlin ein Einsehen, und Minister v. Rochowbeauftragte am 28. März das Oberzensurkollegium mit der Prüfungder Handschrift. Das Kollegium (die Professoren Wilken undv. Lancizolle, Bischof Neander und Geh. Rat Tzschoppe) aber mußteam 1. Mai 1836 erklären, das Buch sei trotz etlicher Änderungen„mit anstößigen Stellen über diesseitige Verhältnisse und hiesigePersönlichkeiten noch fortwährend angefüllt", und ehe es in Preußenverbreitet werden könne, bedürfe es „wegen des fast durchaus vor-herrschenden schlechten Geistes" einer völligen Umarbeitung. Mitdiesem Bescheid ging das Manuskript am 10. Mai wieder nach Stutt-gart zurück.

Am 24. Juni meldete abermals der Stuttgarter Geschäftsträger:der Verleger sei auch zu der verlangten Umarbeitung bereit; sobalddiese fertig sei, werde sie nochmals zur Zensur in Berlin vorgelegt.Dazu kam es aber nicht. Der Verlag war der aussichtslosen Ver-handlung überdrüssig geworden und half sich, wie es damals gangund gäbe war: er wartete noch ein Jahr, damit die Behörden glaubensollten, das Buch erscheine überhaupt nicht; im Herbst 1837 aberwaren die „Vertrauten Briefe über Preussens Hauptstadt" plötzlichauf dem Markt; der Name des Verfassers war nicht genannt, undals Verlagsfirma zeichnete L. F. Rieger & Comp., Stuttgart undLeipzig. Das war jedenfalls eine ad hoc gegründete Firma der Stutt-garter Buchhandlung Rieger & Sattler, an der Scheible beteiligt war.(In Kapp-Goldfriedrichs „Geschichte des deutschen Buchhandels"