Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
30
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BEURMANN 3°

man daran allerhand auszusetzen hatte. Beurmann hielt es daherfür ratsam, seinem Verleger beizuspringen und bei der entscheiden-den Instanz um gut Wetter für sein Buch zu bitten; daß es un-gerupft durch die Berliner Prüfung komme, nahm er wohl schwer-lich an. Er schrieb daher an das Oberzensurkollegium:

„Es ist mir von meinem Verleger, Herrn Friedrich Brodhag inStuttgart, die Nachricht geworden, derselbe habe Einem verehrlichenOber-Censur-Collegium in Berlin eine von mir verfaßte Schrift:Briefe über Berlin zur Begutachtung vorgelegt.

Um etwaigen Mißdeutungen vorzubeugen und eine nachsichtigeBeurtheilung meiner Schrift zu bewirken, halte ich es für nothwendig,ein verehrliches Ober-Censur-Collegium auf die loyalen Intentionenhinzuweisen, die das Gepräge derselben sind, zugleich aber zu be-merken, daß ich, als Fremder, über Berlin geurtheilt, daß ichden Vorzügen der Hauptstadt nicht die Anerkennung versagt, daßich aber nichts desto weniger in dem Fall war, prüfen zu müssen.Wenn ich nun in der bezeichneten Stellung hie und da freimüthigenTadel ausgesprochen, so glaube ich, daß derselbe, selbst wenn erPersonen trifft, nicht übel gedeutet werden dürfe, um so weniger, dadie Schrift selbst späterhin das Urtheil der Kritik zur Genüge heraus-fordern wird.

Ich richte demnach meine gehorsame Bitte an Ein verehrlichesOber-Censur-Collegium dahin:

.dasselbe wolle in seiner amtlichen Stellung gütigst berücksichti-gen, daß meine Intentionen im Allgemeinen loyal sind, und dem-gemäß eine nachsichtige Beurtheilung in Betreff meiner Schrifteintreten lassen, auch das individuelle Colorit derselben nicht ver-wischen.'

Eines verehrlichen Ober-Censur-Collegiums

gehorsamsterKassel, d. 4. Februar 1836. Beurmann, Dr."

Da mittlerweile das Manuskript bereits nach Stuttgart zurück-gegangen war, gab Geheimrat Tzschoppe den Brief am 19. Februarohne Antwort zu den Akten. Am selben Tage aber erging an sämt-liche Oberpräsidenten die Weisung, alles Erforderliche zu tun, umdie Verbreitung des Beurmannschen Buches in den preußischenStaaten zu verhindern. Der preußische Geschäftsträger in Stuttgart,Legationsrat v. Salviati (in Vertretung Rochows), so schrieb derAußenminister Ancillon am 17. Februar an den Innenminister,habe Brodhag nicht bewegen können, von der Herausgabe desBuches abzustehen; der Verlag habe sich nur bereit erklärt, es derStuttgarter und außerdem der Berliner Zensur zu unterwerfen. Da-von wollte aber der Außenminister nichts wissen, denn die württenv