Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
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23 ALLGEMEINE DEUTSCHE BIBLIOTHEK

führen sein dürfte, war energisch für Aufrechterhaltung des bis-herigen Zustandes; Hofrat Szekereß hatte wenigstens einen Vor-behalt, und Baron v. Locella schob die Sache auf das rechte, aus-sichtslose Gleis: erst mußten die seit dem Verbot erschienenen sieb-zehn Bände durchgelesen und darüber neue Gutachten abgegebenwerden.

Die Bedenken der Minderheit hatten den Erfolg, daß einstweilenalles beim alten blieb; wahrscheinlich wurden die „standhaften" Gut-achten über jene siebzehn Bände erst eingefordert, Akten haben sichdarüber nicht gefunden. Darüber vergingen mehr als zwei Jahre, underst im Dezember 1783 wurde die „Allgemeine Deutsche Bibliothek"in Österreich wieder freigegeben. Ihre Auflagenhöhe hat man übri-gens in Österreich bei weitem überschätzt, sie betrug nie mehr als1800 Exemplare, die Abonnentenzahl höchstens 1100. (Vgl. JoachimKirchner, „Die Grundlagen des Deutschen Zeitschriftenwesens . . .bis zum Jahr 1790". Leipzig 1928 I, 46.)

Nach Friedrichs des Großen Tode begann für den Berliner Buch-handel eine trübe Zeit. Das Oberkonsistorium, die bisherige Zensur-behörde, erschien dem neuen Herrscher und seinem allmächtigenMinister Wöllner bald als höchst unzuverlässig, und 1791 wurde esdurch die Immediat-Examinationskommission ersetzt, die zugleichdie Prüfung der Pfarramtskandidaten nach einheitlichem Schema zuregeln hatte. Ihren Mitgliedern, dem Oberkonsistorialrat Hermes unddem Geh. Konsistorialrat Hillmer, einem ehemaligen Oberlehrer,wurde die Zensur aller theologischen und moralischen Schriften über-tragen; gegen ihr Urteil gab es nicht einmal eine Berufung; und am19. Oktober desselben Jahres wurde derselbe Hilmer zum Zensorauch aller Monatsschriften, Bibliotheken usw. ernannt. Die Folgewar eine allgemeine Flucht der Literatur aus Berlin. Auch Nicolaiwurde der Boden unter den Füßen zu heiß, und mit dem 2. Stückdes 106. Bandes nahm er am 12. März 1792 gerührten Abschied vonseinen Lesern. Mit Beginn dieses Jahres trat er seine Zeitschrift,die ehemals sogar den Minister Wöllner zu ihren Mitarbeitern zählendurfte, dem Hamburger Buchhändler Bohn ab, der sie in seinerUniversitätsbuchhandlung in Kiel, also auf dänischem Boden unterdortiger Preßfreiheit, weiterführte. Über den Grund des Verlags-wechsels drückte sich Nicolai sehr vorsichtig und diplomatisch aus:infolge seiner augenblicklichen „Lage" könne er dem Blatte nichtmehr so nützlich sein wie bisher. Nur der Schluß seines Vorwortszum 2. Stück des 106. Bandes deutete vorsichtig auf den geistigenLuftwechsel in Preußen hin: die „Morgenröthe der Aufklärung, dieüber Deutschland aufgegangen", könne nie ganz verdunkelt werden,zwar könne wohl ein Nebel vor ihr aufsteigen, aber die Sonne werdeihn wieder zerstreuen. Erst 1801, als er die Bibliothek aufs neue über-