Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
9
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9 ADAMUS

unzugänglich" sei; eher noch Neumann-Hofer. Dieser legte auchschon am 3. April eine neue Fassung des gefährlichen Stückes vor;der Zensor fand sie zwar „genießbarer", aber noch keineswegs ge-nehmigungsfähig. Daraufhin wurde am 18. April die Aufführung ausden üblichen ordnungs- und sittenpolizeilichen Gründen verboten.

In Wien hatte die Statthalterei ihre Entscheidung hinausgezögertbis zur Beilegung eines Bergarbeiterausstandes; am 14. April abergab sie das Stück frei, und am 21. fand im „Deutschen Volkstheater"die Premiere statt. Der Erfolg war ein großer Skandal, obgleich dieWiener Zensur den Schluß des ersten und den ganzen letzten Aktgestrichen hatte, auch sonst noch manches, „um das es Schade ist",wie der Korrespondent der „Norddeutschen Allgemeinen" (Nr. 96vom 26. April) versicherte. Der Wiener Zensor hatte aber seineArbeit so ungeschickt oder so raffiniert getan, daß ein Stück, dasbisher gewissermaßen auf zwei Schultern getragen hatte, als ein-seitiges Tendenzwerk gegen den Sozialismus erschien. Es fand in-folgedessen leidenschaftlichen Widerspruch, die Polizei mußte meh-rere Demonstranten festnehmen, und der letzte Akt wurde bei er-helltem Zuschauerraum gespielt, um nur einigermaßen die Ruhe auf-rechtzuerhalten. Wie weit diese Umformung im Sinne des Autorswar, blieb unklar; jedenfalls hatte die „Arbeiterzeitung" nichtunrecht, wenn sie meinte (Nr. 111 vom 24. April), Adamus habe sichder Aufführung widersetzen müssen, wenn die Zensur allein für dieUmbiegung der Tendenz verantwortlich zu machen sei. Obgleichnicht viel mehr als eine „Verhöhnung der Sozialdemokratie" übrig-geblieben war, hatte der Referent der „Arbeiterzeitung" in Nr. 109dennoch den Verfasser als „sehr begabten Schriftsteller" anerkannt,und wenn auch das allgemeine Urteil in der Presse zwischen denäußersten Extremen schwankte — über Mangel an Interesse hattesich Adamus nicht zu beschweren. Der Verleger konnte bereits diedritte Auflage des Buches ankündigen, was bei einem deutschenTheaterstück viel sagen will. Der „Norddeutschen Allgemeinen"(Nr. 96 vom 26. April) erschien „Familie Wawroch" als ein „be-deutendes Werk"; das „Berliner Tageblatt" (Nr. 202 vom 22. April)fand dasselbe Werk unreif, aber voll Spuren von Talent; die „Vos-sische" (Nr. 188 vom 24. April) erkannte dem 4. Akt „grandioseKraft" zu, während die „Frankfurter Zeitung" (Nr. 112 vom 24. April)das „alberne" Stück als eine „verspätete Nachblüte des Naturalismus"abtat; von einem „österreichischen Gerhart Hauptmann" zu sprechensei unsinnig. Daß, wie bei den „Webern", auch der „Familie Waw-roch" wirkliche Geschehnisse beim Kohlenarbeiterstreik 1890 inMährisch-Ostrau zugrunde lagen, war aus verschiedenen Bespre^chungen bekannt geworden.

Bei der zweiten Aufführung wiederholten sich die Skandalszenen;