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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Fünfzehnter Abschnitt.

mittel anwandten, entdeckte Marggraf, doch erhielten weder ernoch Hermbstädt krystallisierten Zucker; Gleditsch, sowieForster in Halle (1770) verarbeiteten den Saft zu Speisesyrupund auf Alkohol, namentlich aber empfahl Nicolai die Herstellung„des bei den Landwirten längst beliebten und geschätzten Möhren-syrups" im grossen, und sprach die bestimmte Erwartung aus,durch denselben den Zucker ganz oder grösstenteils verdrängt zusehen („Patriotische Vorschläge zur Verminderung der Konsumtiondes Zuckers in Deutschland", Göttingen 1792); die Konsumentenschlössen sich jedoch den Folgerungen Nicolai's nicht an, undvermochten auch seinem „lieblichen und vorzüglichen Syrupe ausBirnsaft" keinen Geschmack abzugewinnen.*) Dasselbe gilt für denSyrup aus Kohlrüben und Steckrüben, der, „trotz seines nichtabzuleugnenden rettigartigen Geruches und unangenehmen Bei-geschmackes", in Gleditsch und dem Apotheker Dörffurt inWittenberg, seine begeisterten Vorkämpfer fand (Gotthard 67;Poppe, „Gesch. d. Techn." IV, 148ff.; Hermbstädt, a. a. 0.).Die Runkelrübe oder Mangold (Beta cicla) wächst nach De-candolle (S. 46) am Mittelmeer, am kaspischen Meer, auf denkanarischen Inseln, in Mesopotamieen, und in Ostindien wild, be-sitzt keinen gemeinsamen indo-europäischen Namen, und dürftenicht länger als seit dem 4.—-6. vorchristlichen Jahrhundert kulti-viert sein; Hehn glaubt, sie sei in Europa einheimisch (S. 458),doch ist dieses Indigenat wohl kein ausschliessliches, da sie inChina seit uralter Zeit angebaut wird (Bretschneider, 3), währendallerdings kein Sanskritwort für Rübe besteht (Roxburgh, „Floraindica" II, 59), was sich mit der Angabe, dass sie auch in Indienzu Hause sei, nicht leicht vereinigen lässt. Vermutlich ist diewilde Stammform der Rübe, die an den Meeresküsten verschiedenerTeile der alten Welt gedieh, gleichzeitig von mehreren Völkerngepflegt und veredelt worden: „die Mehrzahl der von uns als Ge-müse benutzten Pflanzenarten, besonders Rüben, Kohl und Kresse,sind eigentlich aus Halophyten (Salzpflanzen) gezüchtet, und daherkommt es auch, dass sie einen an aufgeschlossenen Alkalien reichenBoden verlangen" (Kerner, „Pflanzenleben", Lpzg. 1888; I, 68).Jedenfalls ist aber die Rübe seit ungleich längerer Zeit eine Kultur-pflanze, als Decandolle annimmt, denn schon ein altägyptischesTempelgemälde zeigt einen Gärtner mit einer Rübe (Woenig 191,

*) Mühevolle jedoch fruchtlose Versuche zur Darstellung von Zucker ausdem Safte der Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kastanien unternahmen auchDubuc, Fontenolle, Marcel de Serres, Guorazzi, Darcet, undAlluard (Leng, „Handbuch der Zuckerfabrikation", Ilmenau 1834, 302ff.).