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Der Zuckerverbrauch Buropas im 17. und 18. Jahrhunderte. 341
Mittel, im 17. und 18. Jahrhundert eine bedeutende Rolle, undseine Verwendung zu beiden Zwecken war in steter und immerfortwachsender Zunahme begriffen; dennoch hätte dieselbe niemalseinen so ungeheuren, zunächst nach hunderttausenden, zuletztnach Millionen Zentnern zählenden Konsum ins Leben rufen können,wären diesem nicht seit etwa 1650 ganz neue und mächtigeFörderer entstanden, die ihm durch völlige Umwandlung der täg-lichen Gewohnheiten und Sitten fast aller Völker, binnen kurzemdie weitesten Kreise erschlossen. Der Kaffee, der Thee, und dieChokolade waren es, deren Genuss, indem er sich mit überraschen-der Schnelligkeit allerorten verbreitete und einbürgerte, zugleichauch dem Zucker allgemeine und massenweise Anwendung sicherte.Die Kultur des Kakaobaumes war zur Zeit der EroberungMexikos durch die Spanier (1519) daselbst überall verbreitet, undschon seit alter Zeit üblich, da es feststeht, dass der Kakao oderKakaohatl bereits den Tolteken, als sie 1325 von den Aztekenaus Mexiko verdrängt wurden, seit mehreren Jahrhunderten bekanntgewesen war. Die Kakaobohnen dienten als Münze*), auch wurdendie Steuern in ihnen gezahlt, und im Reichsschatze fanden dieEroberer nicht weniger als 2 1 / 2 Millionen Pfund derselben vor.In seinem ersten Briefe an Kaiser Karl V. schildert Cortez(1519) die Kakaoplantagen, das Aussehen des Baumes und Samens,und dessen Anwendung; als Genussmittel stand der Kakao damalsbei allen Volksklassen im Gebrauche, und zwar wurden, nach denBerichten von Hernandez und Tor quem ad a, die gerösteten, ge-schälten und gestossenen Bohnen mit kaltem Wasser zu einemBrei verrieben, und dieser, bei armen Leuten mit Maismehl, beiden Vornehmen mit Honig, Gewürzen und Vanille, zu einer dickenschäumenden Masse verrührt, welche Chocolatl (von Choco = Schaum,und Atl = Wasser) genannt wurde, und deren Erfindung maneinem mythischen Könige zuschrieb (Prescott, „Conquest ofMexico" I, 135 und 155; Humboldt, „Nouv. Esp." III, 194;Ratzel III, 675). Die Spanier, welche die Chokolade zuerst amHofe des Montezuma kennen lernten, schickten sie schon 1520nach Europa (Beer II, 97); da indes Acosta 1584, Benzoni1565, und Clusius 1593, sie als ungesund, widerwärtig, und derThätigkeit des Herzens schädlich bezeichneten, so blieb ihr Ge-brauch lange Zeit auf Spanien allein beschränkt (Fristedt,b. Wittstein, „Pharmakognosie des Pflanzenreiches", Breslau,1882,364; Volz 281 ff.). Carletti, der 1606 von weiten Reisen,
*) Humboldt fand diesen Gebrauch noch in Costarica vor.