ZWÖLFTER ABSCHNITT.
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Der Zuckerverbrauch Europas im 17. und18. Jahrhunderte.
Der Anfang des 17. Jahrkundertes brachte für Europa einetiefgehende und völlige Umgestaltung aller Handelsverhiiltnisse mitsich, die wesentlich durch die veränderte Stellung Deutschlands,des bis dahin wohlhabendsten und aufnahmefähigsten MarktesMitteleuropas bedingt wurde. Schon während der zweiten Hälftedes 16. Jahrhunderts war der deutsche Welthandel bedeutungslosgeworden und in immer tieferen Verfall geraten, nicht durch dieEntdeckung der neuen Seewege und die Entwicklung neuer Handels-strassen, sondern durch die innere Kraftlosigkeit des Reiches, dasvöllige Fehlen einer deutschen Handelspolitik, den Mangel jedesVerständnisses für die drohende Gefahr bei Kaiser und Volk, unddie aufreibenden inneren Kämpfe zwischen den Fürsten und derkaiserlichen Macht, den Bürgern und Handelsstädten, und denEinzelstaaten untereinander. So geschwächt, wurde Deutschlandder Schauplatz des dreissigjährigen Krieges, der seine Macht undseinen Wohlstand völlig zerstörte; es verblieb ein verwüstetes, ent-völkertes, zerrissenes und erschöpftes Reich, ohne Mittelpunkt undherrschende Gewalt, an allen Grenzen den übermächtigen Nach-barreichen offenliegend, und eine verarmte, jedes Aufschwungesunfähige, jedes Selbstbewusstseins bare Bevölkerung. Die Ein-wohnerzahl fiel von 15—16 auf 4—5 Millionen, die blühendstenStädte waren zerstört, Augsburg z. B. von 90000 auf 6000 Ein-wohner herabgebracht, drei Viertel des Viehstandes vernichtet, undweite Landstriche (mindestens ein Drittel der gesammten angebautenFläche) verödet und menschenleer; mit der Kaufkraft der Bevölke-rung schwand auch die Bedeutung des Binnenverkehres, währendzugleich die den Aussenhaudel vertretenden Hansestädte, verein-samt und unbeschützt, dem aufstrebenden Gewerbefleisse Hollandsund Englands weichen mussten, und allen Gewaltakten wehrlos
Lippmann, Goschiohto des Zuckers. 21