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Zehnter Abschnitt.
Augsburg eine Zuckerfabrik anlegte, „um hier das aus Indienherbeigeholte Zuckerrohr zu verarbeiten"; ob es sich hierbei (ab-gesehen von dem sichtlich auf einem Missverständnisse beruhendenSchlusssatze), um eine andere Version des von Stetten erzähltenVorfalles, oder wirklich um ein anderes Unternehmen handelt, lässtsich, da Falke seine Quelle nicht angiebt, nicht beurteilen.
Im Jahre 1597 wurde auch in Dresden eine Raffinerie er-richtet (Poppe, „Geschichte der Technologie", Göttingen 1811,148ff.), und aus einer Stelle in Conrad Khunrath's „Medulladestillatoria et medica" (Hamburg 1605; 287) geht hervor, dassgegen Ende des 16. Jahrhunderts auch in Hamburg, Nürnberg,und mehreren anderen Städten Deutschlands Zuckersiedereien be-standen, welche vermutlich nach dem Falle Antwerpens, von ver-triebenen oder ausgewanderten .Niederländern eingerichtet wurden.In Nürnberg, dessen Reichtum und Wohlstand so gross war, dassz. B. 1592, zum Schiessfeste, 5500 gewaffnete Handwerker in zehnFähnlein ausrücken konnten (Roth III, 163), trieb man mit Zuckerund Honig ganz besonderen Luxus; bei den Vornehmen gehörtees z. B. zur guten Sitte, Dosen mit Zuckerwerk und kandiertenGewürzen bei sich zu führen, und sich dieses gegenseitig anzu-bieten, und die Polizei Verordnungen von 1531 und 1548 regelnden Verkauf solcher Waaren auf das genaueste, und verbieten esstrenge, Zucker und Gewürze „mit frembder Materie gemischt",d. h. verfälscht, an die Käufer auszubieten (Volz 311). Die Leb-küchner waren zu Nürnberg eine der ältesten Zünfte, und ihreLebzelten und Pfefferkuchen schon frühzeitig so berühmt, dass sieselbst zur Leistung städtischer Abgaben dienten, wie denn z. B.noch 1790 unter den althergebrachten Geschenken, welche dieNürnberger jährlich in Brüssel für Gewährung der Zollfreiheit über-reichen rnussten, auch die üblichen Lebkuchen genannt werden(Roth II, 333; IV, 13); um den Ruf derselben dauernd zu er-halten, war eine städtische „Honig- und Syrup-Schau" eingerichtet,welche gegen eine Vergütung von 4—10 Kreuzern pro Fass, denHonig- und Zucker-Syrup auf seine Frische und Unverfälschtheitprüfte, und ihn den Lebküchnern zumass (ebd. IV, 216).*) AuchZuckerwaaren aller Art wurden in Nürnberg erzeugt, und weithinverschickt; schon im 14. Jahrhunderte sind „Zuckerbäcker" nach-
*) Schon nach Euprecht von Freysing's „Stadt- und Landrechta-buch" büssto der Honigfälscher mit 65 Pfund Pfennigen, oder verlor eineHand (Bessler 98). — Die Verfälschung des „Konfektzuckers" mit Reis-,Weizen-Mehl, u. dgl., wurde in späterer Zeit mit einor Strafe von 20 Guldenbelegt (Peters TI, 118).