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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Achter Abschnitt.

„Wer sich unwürd'gor Lieb' orgiobt,„Der gleicht dem Mann, der sinnzerrüttet„Die Ehre hasst, die Schande liebt,„Der edlen Balsams Kostbarkeit„In Asche oder Staub verschüttet,„Der Theer mit Honig auf dir tischt,„Und Zucker dir mit Gallo mischt."*)

Seit der Eroberung von Toledo, und der erneuten Berührungmit der spanisch-arabischen Poesie, war die Provence auch dervornehmste Sitz der ritterlichen Dichtkunst geworden, „und diefeinere Bildung, das feurig-elastische Temperament, sowie derWohlstand und die Gastfreiheit der Bewohner, besonders der Höfeder Grossen, kamen jenem poetischen Anstosse mit Enthusiasmusentgegen" (Sehen - , „Litg." I, 199), so dass sich rasch eine ebensoeigenartig-gehaltvolle, als umfangreiche provencalische Litteraturentwickelte. Aus dem 12. Jahrhunderte scheint für Zucker keinBeleg aus derselben vorzuliegen; dagegen stammt aus der Anfangs-zeit des 13. Jahrhundertes eine „Diätetik" (Suchier, „Denkmälerder provencalischen Litteratur und Sprache", Halle 1883; I, 203),in welcher gesagt wird: „Im Sommer, oder gegen die Osterzeit,wenn das Wetter sich zur Milde wendet, nimm Rosenzucker undRosenwasser mit Rhabarber ein." Raynouard („Lexique roman"V", 284) citiert noch, nach Aldrete's „Über Ursprung und Quelleder kastilischen Sprache" (Rom 1606, 163), die Stellen: „es istwie Zucker von Alexaudria", aus der provencalischen Übersetzungder, 1279 von Frere Lorens verfassten „Somme des vices et dervertus"; „sucre rosat, d. i. Rosenzucker", aus einem Urkundenbuchedes 13. Jahrhunderts von Montpellier; „Zucker macht man ausgewissen Rohren", aus einem, im Auftrage Gaston IL, Grafen vonFoix, gegen 1300 geschriebenen Werke über die Eigenschaftender Dinge. In den Überresten der Dichtungen der alten Trouba-doure kommt der Zucker nicht vor, obwohl er zu deren Zeitenim Süden Frankreichs schon wohlbekannt war (Francisque-Michel, in Anelier de Toulouse's „Histoire de la guerre de Na-varre en 1276 und 1277", Paris 1856; 426ff.); erst bei Guyotde Provins um 1200, wird „sucre violat", Veilchenzucker, er-wähnt. In seiner provencalischen gereimten Kriegschronik, lässtAnelier de Toulouse den König sagen (S. 94):

„Eustachius, weil mein Freund du bist,„Und weil dein Herz ohne Fehler ist,

*) Der nämliche Vergleich, jedoch ohne Nennung des Zuckers, rindetsich fast wortgetreu in Hartmann von Aue's „Iwein", v. 1580 (ed.Benecke und Lachmann, Berl. 1868, 50).