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Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte
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Sechster Abschnitt.

Chemiker, welche sich schon seit Jahrhunderten mit der Reindar-stellung und Untersuchung vieler für die Technik (Färberei, Glas-fabrikation etc.) wichtiger Präparate beschäftigt hatten, z. B. derSoda, des Salpeters, des Alauns, des Kupfervitriols, und anderermehr. Marcus Graecus z. B., der zu Anfang des 8. .lahrhundertesein „Liber ignium" verfasste, in welchem er unter anderem auchdie Bereitung des Schiesspulvers beschrieb, erwähnt die Reinigungdes Salpeters und anderer Salze durch Lösen in siedendem Wasser,Filtrieren und Abkühlen, und Abziehen der Mutterlauge, als einelängst bekannte Sache (Hoefer I, 308), und in der That sagt.schon Plinius (VI, 94) betreff des Vitriols: „Die eingedickteLösung giesst man in hölzerne Kübel, über welchen Querstangenbefestigt sind, von denen mit Steinchen angespannte Stricke in denKübel hinabhängen, woran sich der aufgelöste Stoff wie in gläsernenBeeren, gleichsam traubig anhängt." Indem die Ägypter dieseVerfahren auf die, mit Hülfe von Alkalien, Kalk und anderenChemikalien geklärten Zuckerlösungen anwandten, gelangten sieeinerseits zur Kandisfabrikation, andererseits lernten sie, die Zucker-massen, statt durch fortgesetztes Umkochen, durch Ablaufenlassender zwischen den Krystallen verbleibenden Mutterlauge, und durchkünstliches Verdrängen derselben (sog. Decken), zu reinigen, undzu verfeinern. In beiden Künsten brachten sie es frühzeitig zurgrössten Meisterschaft, und lieferten Produkte von einzig dastehen-der Vollkommenheit.

Dass in der That der Zusatz von Chemikalien, speziell vonAlkalien, das Geheimnis des ägyptischen Raffinations-Verfahrensausmachte, geht in deutlicher Weise aus einer Stelle bei MarcoPolo (Ausgabe von Yule; II, 208) hervor; der grosse venetianischeReisende spricht daselbst von der Eroberung der Stadt Unguenin China, durch die Mongolen unter Kublai-Chan, und sagt:„Bevor die Stadt unter seiner Herrschaft stand, wussten die Leutedort nichts vom Raffinieren, sondern der Saft wurde nur gekochtund abgeschäumt, und gab beim Erkalten eine schwarze Paste;zur Zeit aber als Kublai-Chan die Stadt einnahm, waren einigeLeute aus Babylon (uomini di Bambillonia) an seinem Hofe, unddiese kamen in die Stadt hin, und lehrten die Einwohner dasRaffinieren des Zuckers mittelst gewisser Pflanzenaschen." Babylonbedeutet jedoch nicht, wie Ritter annahm, das ehemals assyrischeBabylon oder gar Bagdad, sondern Kairo, dessen Altstadt nochjetzt Babul heisst (Yule I, 24; II, 212), und das im ganzen Mittel-alter „Bambillonia d'Egitto", d. i. das äpytische Babylon, genanntwurde, und zwar nach dem befestigten Schlosse „Babylon", welches