Die Heimat, dos Zuckerrohres und der Rohzucker-Bereitung.
43
des Zuckerrohres gerade im Gewände einer buddhistischen Mythebegegnen.
Subandy nämlich, ein ßadja von Benares am Ganges, hattekeine Kinder, und weihte sich zur Sühne seiner Schuld, — dennals Strafe einer solchen f'assten die Inder die Kinderlosigkeit auf,— dem Dienste Iswaras oder Adi-ßuddha's; durch dessenGnade schoss aus seinem Samen ein Zuckerrohr auf, von dem ihmein Sohn geboren ward, dessen Geschlecht, das noch heute fort-dauern soll, sich Ixväkxx oder Ixavaaku, d. h. „die vom Zucker-rohr-Stamme" nannte (Hodgson, „Sketch on Buddhism" 1836;V, 77; Ritter ;512). Dem Geschlechte Ixväku begegnen wiraber schon in den Veden („Ind. Stud." I, 458), und es dürfte des-halb, wie in so vielen ähnlichen Fällen, obige Legende vielleichtnur die buddhistische Umformung einer ursprünglich brahma-nischen Sage sein, und dafür Zeugnis ablegen, dass eine Erinne-rung an die Auffindung des Zuckerrohrs beim Vordringen der In-der in das Gangesthal, auch in späterer Zeit noch fortbestand.
Als ursprüngliche Verwendung des Zuckerrohres haben wir unswohl die nämliche vorzustellen, der die Entdecker der ostindischenund ozeanischen Inseln bei deren Eingeborenen begegneten, unddie vielfach noch bis in die Gegenwart fortdauert, nämlich Kauenund Aussaugen des Rohres, und Trinken des ausgepressten Saftes,für sich, oder in Mischung mit Wasser; angesichts der Leichtig-keit, mit der im warmen Klima Zuckerlösungen, besonders ver-dünnte, in Gührung übergehen, reicht vermutlich auch der Genussvergohrenen Saftes in sehr alte Zeit zurück. Feldmässiger Anbaudes Rohres fand zu Anfang jedenfalls nicht statt, sondern, — wiewir dies noch heute bei den Malayen Borneos (Ratzel II, 418),und selbst bei den europäischen Ansiedlern Südbrasiliens (Breiten-bach, „Das Ausland" 1888, 75) antreffen, — jeder Einzelnepflanzte neben anderen Gartengewächsen auch Zuckerrohr für seineneigenen Gebrauch. Zum Genüsse wurde dasselbe abgeschnittenund mit der Hand ausgepresst, oder mittelst eines Messers zurecht-gemacht, namentlich der oft harten (kieselsäurereicheu) Rinde be-raubt, und dann gekaut oder ausgesaugt. So z. B. wird berichtet,dass der indische Prinz Barkamärys seinen Bruder Rawal, den Usur-pator des Thrones, mit einem solchen Messer tötete, als er ihn,mit seiner Gemahlin, an einem heissen Tage Zuckerrohr kauendantraf; Barkamärys wird als ein Urenkel des Königs Kefendbezeichnet, welcher letztere zur Zeit des indischen FeldzugesAlexander des Grossen (327 v. Chr.) gelebt, und diesem, alsZeichen seiner friedlichen Gesinnung, seine Tochter, einen Arzt,