Das ]la\is Sachsen-Koburg-Gotlia auf dem Thron von Portugal, 22!i
Titel »König von Portugal«, ohne dadurch mit bestimmten Rechtenan der Regierungsgewalt betheiligt zu werden.
Der Art. S!) der Charte:
»Kein Fremd er kann in der Krone von Portugal nach-folgen«ist natürlich auf Dom Pedro V urianwendbar. Dieser Prinz, Sohneiner portugiesischen Königin, aus einer mit Einstimmung derKortes geschlossenen Ehe und in Portugal geboren, ist ein Pol'-'tugiese und ein achter Sprössling des Hauses Bra-ganza.
Hier weicht freilieh die deutsche Anschauungsweise von derportugiesischen völlig ab, indem nach deutscher Ansicht die K on-tinuitiit einer fürstlichen Familie nur durch den Mannsstammbewahrt wird. Eine Konsequenz der deutschen agnatischen Thron-folge, bei welcher selbst entfernte Agnaten die Töchter des letztenHerrschers ausschliessen, ist der Satz: »per foeminam rumpiturlinea paterna.« Mit dem letzten Sprössling des Maiinsstammesseilen wir eine Dynastie für erloschen an; die dann nach subsi-diärem Thronfolgerecht etwa eintretenden Kognaten bilden, nachunserer Auffassungsweise, eine neue Dynastie.
Dagegen wird als eine nothwendige Konsequenz der kogna-tisch en Thronfolge, welche Seit ältester Zeit, als ein tief in dasYolksbewusstscin eingedrungener Rechtssatz in England, Spanienund Portugal gilt, in diesen Ländern die rechtliche Anschauungfestgehalten, dass auch durch Prinzessinnen, also durch kognatischeSuccession, die Kontinuität der Familie erhalten werden kann.
Wie eine Uebertragung unserer Anschauungsweise auf fremdeReiche hier zu verkehrten Folgerungen führt, zeigt z. B. die Be-hauptung, das Philipp V in Spanien Stifter einer neuen Dy-n a s t i e geworden sei, eine Behauptung, wodurch man seine Berech-tigung zur Einführung einer neuen Thronfolge besser begründenwollte, Philipp V stieg nicht als Bourbon, sondern als Descendenteiner spanischen Infantin auf den Thron. Nur der Deutsche undder Franzose beginnt mit ihm eine neue Dynastie, nicht derSpanier, welcher in ihm nur den Sprössling seines Königshauses,den Enkel der Infantin Maria Theresia sieht. Ebensowenig denktjemand in England daran, dass mit dem Ableben der jetzt regieren-den Königin ein neues Haus den englischen Königsthron he-