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Aus der Praxis des Staats- und Privatrechts
Entstehung
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196 '*' e portugiesische Thronfolge.

Von den Kindern der Königin Maria blieb nur der einzigeInfant Joäo (als König Joäo VI) am Leben, welcher bei der Geistes-krankheit seiner Mutter schon 1792 die Regentschaft übernommenhatte, 1706 als Souverän ausgerufen worden war, aber erst nachdem Tode seiner Mutter 181(5 den Titel eines Königs von Portugalannahm. In die llegierungszeit dieses Königs fallen die grösstenweltgeschichtlichen /Bewegungen der Neuzeit, die französische Ee-volution und die napoleonischen Kriege. Wir berühren diese Er-eignisse nur soweit, als ihre Besprechung für die portugiesischeSuccessionsgeschichte unerlässlich ist.

Am 25 November 1807 schiffte die ganze königliche Familiesich nach Brasilien ein, wo sie dreizehn Jahre lang, bis zum 0 April1821, verblieb. Die portugiesische Nation fühlte sich durch dieEntfernung des Hofes gekränkt und konnte den Gedanken nichtertragen, von einer ehemaligen Kolonie aus regiert zu werden. ImJahr 182Ü brach ein Aufstand aus, welcher den König nöthigte,von Brasilien zurückzukehren und eine sehr demokratische Kon-sti tution anzuerkennen, deren Vorbild die spanische Kortcsver-fassung von IS 12 war. Die Bestimmungen dieser Konstitutionintercssiren uns hier nicht; wir bemerken nur, dass sie in Betreffder Thronfolge den Grundsätzen des lamegischen Gesetzes treublieb. Tit. IV Cap. 3 Art. 133 sagt: »Die Thronfolge im ver-einigten Königreich folgt der regulären Ordnung der Erstgeburtund Repräsentation unter den gesetzmässigen Nachkommen desKönigs Dom Joäo VI, so dass beständig den Vorzug hat: die ältereLinie vor der Jüngern, in derselben Linie der nähere Grad vor dementferntem, in demselben Grade das männliche Geschlecht vordem weibliehen, in demselben Geschlechte die ältere Person vorder Jüngern.« Diese Verfassung hatte aber ein sehr kurzes Leben ;denn am 1 Oktober feierlich angenommen und beschworen, wurdesie bereits im neunten Monate ihres Bestehens, am 5 Juni 1823,vom König Joäo VI förmlich aufgehoben. Die Aufhebung war be-sonders das Werk Dom Miguels, des Jüngern Sohnes des Königs,welcher sich an die Spitze eines Truppencorps gestellt hatte, umdie Aufhebung der Konstitution durchzusetzen.

Das spätere Auftreten dieses Prinzen ist so verhängnissvoll,eine Beleuchtung seiner angeblichen Ansprüche auf die Krone fürunsere Aufgabe so wichtig, dass wir der rechtlichen Betrachtungseiner Prätensionen einen besondern Abschnitt widmen müssen.