104 I" ft portugiesische Thronfolge.
Kronerbin angesehen und auf dem Reichstage von 1674 von denStänden als solche ausdrücklich anerkannt wurde. Ihr Vater ver-lobte sie mit dem Herzoge von Savoyen, Victor Amadeus, und aufsein Verlangen gaben die ltcichsstände auf dem 1670 gehaltenenReichstage ihre Einwilligung dazu mit der Erklärung: d a s s dieseHeirath mit einem fremden Fürsten, die sonst den Ge-setzen von Lamego zuwider wäre, ihrem Erbrechte aufdie Krone nicht nachtheilig sein sollte*).
Dieser Beschluss ist für die Beurtheilung der portugiesischenThronfolge von der grössten Wichtigkeit. Manche portugiesischel'ublicisten haben in diesem ständischen Beschluss geradezu eineAbschaffung der in den lamegischen Gesetzen enthaltenenKlausel sehen wollen. Da aber dieser Beschluss sich nur auf einenbestimmten einzelnen Fall bezog und nur zu Gunsten der damaligenKronprinzessin erlassen wurde, so kann man darin keine eigent-liche Abrogation, sondern nur eine Dispensation von jenerKlausel des lamegischen Gesetzes erblicken. Aber soviel steht ent-schieden fest: dass die Reichsstände befugt sind, jedePrinzessin bei einer Vermählung mit einem fremdenPrinzen von dieser Klausel des lamegischen Gesetzesund den darin angedrohten Rech tsn acht heilen zu en I -bi nden.
Die Infantin Isabella Marie starb vor ihrem Vater Pedro 11 undwürde ihm ohnediess nicht succedirt sein, da derselbe in einerzweiten Ehe noch mehrere Söhne gezeugt hatte.
Nach den Gesetzen von Lamego folgte, wie öfters bemerkt,zwar dem Könige sein Bruder auf den Thron, aber diesem letztemnicht sein Sohn, wenn ihn nicht die Reichsstände von neuemWählten. Diese Bestimmung der lamegischen Gesetze war zwar inmehreren Fällen entweder gar nicht beachtet oder wenigstens dieWahl nur durch eine nachträgliche Bestätigung ersetzt worden.Allein Pedro II hielt es für gerathen, seinen Sohn Joäo den 1 I)o-cember 1697 auf einem allgemeinen Reichstag als Krön erben feier-lich anerkennen zu lassen. »Diese Feierlichkeit«, sagt Caetanode Lima, »achtete der König nötliig, um ein Flinderniss, das dieGesetze seinem Sohne machten, aus dem Wege zu räumen«**).
*) Relation de la Cour de Portugal sons D. Petre II. Tom I cap. 6 p. 191.**) l.uiz Caetano de Lima (ieographia histor. de todos oa Estados Soheranosde Europa. Tom. 1 Cap. :') p. 251,