Die Kortes von Lamego. ] 79
Die Gesetze von Lamego sind nicht nur das älteste, ehrwür-digste Grundgesetz des portugiesischen Reiches; sie bieten auchein so allgemeines rechtshistorisches Interesse, dass wir auf ihreBetrachtung näher eingehen müssen.
In den Gesetzen von Lamego spiegelt sich der ganze Geist jenerrauhen, aber ritterlichen und thatkräftigen Zeit auf das klarstewieder. Es ist ein lebendiges dramatisches Gemälde —jene Er-hebung des ersten Königs von Portugal auf den Thron durch seinetapfern Waffengefährten. Aehnlich wie zur Zeit der Völkerwan-derung die germanischen Stämme einen tapfern Gefolgsherrn ausedlem Geschlecht zu ihrem König auf dem Schild erhoben, steigtAffonso der Eroberer auf den neugegründeten Thron unter demZuruf und Waffengeklirr seiner Kampfgenossen, die sich wohl be-wusst sind, dass sie diesen Thron durch ihr Blut und ihre Tapfer-keit gegründet haben.
Eine tiefere rechtsgeschichtliche Autfassung dieses ganzenAktes wird nur dann möglich, wenn wir erwägen, dass das neu-gegründete Reich Portugal eine territoriale Abzweigung des ReichesKastilieh ist und dass wir uns somit auf westgothi schein Rechts-boden befinden. Es ist erklärlich, dass in einem solchen sich los-trennenden Filialreich die Rechts»rundsätze des Mutterreichs «mass-gebend einwirken. Wie oben gezeigt, ist Kastilien in dieser Zeitbereits ein Erbreich; es ist daher sehr natürlich, dass sich auchdas Rechtsbewusstseiu der portugiesischen Stände entschieden fürdie Erbmonarchie ausspricht. Auch für die Thvonfolgeordnungdient das kastilianische Recht zum Vorbild; nicht als ob man sichabsichtlich dasselbe zum Vorbild genommen habe, sondern weildasselbe die ganze Rechtsauffassung jener Männer unwillkürlichdurchdringt.
Merkwürdig ist, was über die Festsetzung der Erbfolge derköniglichen Töchter erzählt wird.
Die Stände des Reichs stritten viele Stunden lang, ob sie die-selbe gestatten sollten? Wahrscheinlich mochte es jenen kriegsge-wohnten Männern bedenklich vorkommen, die Herrschaft über eindurch Eroberung gegründetes, von mächtigen Feinden umlauertesReich der schwachen Hand einer Frau anzuvertrauen. Aber ihreangeborene Rechtsanschauung war stärker, als ihre politischen Re-denken; sie entschieden sich für die Erbfolge der Töchter und zwaraus dem charakteristischen Grunde, »weil auch sie aus den
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