Druckschrift 
Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
Seite
102
Einzelbild herunterladen
 

102Aus dem alten Viersen.aus dem „gaue Moanig“ dem „Knepp=Diesteg“, dem „Schott-Gostig“,!) dem „grönen Donnerschtig“, dem „Charfriedig“, dem„Wecksaschtig“ (an ihm wurde der Weck gebacken) und dem „Eier-sonnig“ (vom Eiertipp so genannt). Unter den Monaten trägtnoch der Juni die altdeutsche Bezeichnung „Bramaant“.Der „Spörkel“ ist der Februar, und sagt man von ihm„der Spörkel drivt de auh Wiver op et Dörpel“. Der Januarträgt den Namen „Lommert“ („Laumaent“, „Lomant“ in andernGegenden Deutſchlands). So ſagt eine Redensart: „der Spör-kel sait: wann ich die Maicht hait, die min Broer Lommerthait, dann liet ich et Pöttsche führ kooken en aichte befreesen(der Februar sagt: Wenn ich die Macht hätte, die mein BruderJanuar hat, so ließ ich den Topf vorn warm werden und hin-ten befrieren).Einer der noch üblichen Fastnachtsgebräuche ist das „Kranz-riden“. Ein Kranz wird hoch oben befestigt, unter welchem dieJunggesellen im Galopp einherreiten und ihn mit der Kraftihrer Hände herunterreißen müssen. Der Sieger in dem Spiele,bei dem die Ungelenkigen nicht selten aus dem Sattel gehobenwerden, erhält zum Preise freies Gelage. Das früher übliche„Goansköppen“, bei dem anstatt des Kranzes eine Gans aufge-hangen wurde, der im Vorüberreiten der Kopf abgeschnitten wer-den mußte, hat sich verloren.Viel lustiges Leben bringt die Wende des Jahres mit sich.An der Spitze der Junggesellen einer jeden Honschaft steht ein„Häer“, welcher am „Sint Steffensdaag“ von dem Häer desverflossenen Jahres „gemaakt“ wird. Dieser „Häer“ hat dieJunggesellen zu der Neujahrsnacht einzuladen, in welcher nachobligatem Schießen ein großer „Neujahrswengel“ mit Brannt-wein verzehrt wird. Von dort aus wird dann der Zug durchdie betreffende Section gemacht und an den Häusern einigerHonoratioren und wo einer von den Junggesellen seine „Freier-sche“ wohnen hat, Neujahr angeschossen. Ein Tractament ver-steht sich dann jedesmal von selbst. Dieses Herumziehen dauertUeber den Ursprung der Namen „Kneppdiesteg“ und „Schottgostighabe ich nichts Gewisses erfahren können. Zwar sagte man mir, am Char-mittwoch sei es früher Sitte gewesen, „et Lampenhehl (eine wagerechte, an derDecke befestigte, durch das ganze Zimmer verschiebbare Stange zum Aufhängender Lampe) te schotten“; worin aber das „schotten“ bestanden, vermag ichnicht anzugeben. „Schotten“ heißt jedenfalls „aufhäufen“, so gibt's in ge-wissen Gegenden „Schottschüern“, vier in die Erde getriebene Pfosten miteinem Dache, welches nach oben geschoben werden kann, um darunter die Ge-treidehaufen aufzuschichten. — Eine fernere bemerkenswerthe, von den Land-leuten noch gewissenhaft beobachtete Sitte ist, in der Nacht von grünen Don-nerstag auf Charfreitag in ungemachten Betten zu schlafen — zur Erinnerungan die schlaflose Nacht in Gethsemane.