101Nachtrag.Beim Schweineschlachten finden sich zuweilen auch die Nach-barn ein und wünschen „vühl Glöcks möt der Duen“ (Todtenund erhalten für den freundlichen Glückwunsch auch „een Bloots-dröpken“ von der geschlachteten Sau, das heißt ein Glas Brannt-wein. Sind in einer Nachbarschaft mehrere Schweine geschlachtetworden, so daß der Geruch aus den nun besser proviantirtenKüchen sich allenthalben verbreitet, so heißt es wohl: „Hei ender Naberschaft kusch mer wahl en Schnie Bruhd to der Röökeeten“: Hier in der Nachbarschaft kann man wohl zum Gerucheine Schnitte Brod essen.„Grön Fleesch“, frisches Fleisch, gibts in den ländlichen Kü-chen seltener; dagegen gilt das Sprichwort: „Et geet nix boveneenen gauen Erpel (guten Kartoffel)“. Außerdem versteht es dieViersener Hausfrau, guten „Tüüt (ein Gemisch von Wurstbrüheund Mehl) te kooken“ oder auch „stiefen Ries“. Ein beliebterWeck ist noch der „Heerdlooksweck“, der in dem Loch des Heerdesgebacken wird. Wenn der Kaffee „geschrött“ oder gebrannt ist,wird er im Kaffekessel oder „Morjohn“ gekocht. „Schrötten“oder „Schreuen“ wird auch vom Verbrennen im bildlichen Sinnegebraucht; so heißt „he schrött sich“ er verbrennt sich, als auch:er irrt sich (er schneidet sich). Eine Britzel ist „ne Wengel“, einBrödchen „e Brürke“, ein Butterbrod „en Bröck“. Keine Speisewird verschmäht oder weggeworfen, denn „Wat ich selv net magdat geht 'nem Angern dur der Kraag (Kragen)„No looten“ ist ein gebräuchlicher Ausdruck für alt, abständigwerden. Die verbreitetsten Alterskrankheiten sind „de Gech“ und„de Lämp“ (Lähmung). Von einem, der gestorben ist, heißt esgewöhnlich „he hett sich derher gegeven“.Der Steuerexecutor trägt im Volksmunde den nichts weni-ger als freundschaftlich gemeinten Namen „Nipptang“ (Kneifzange)und in Folge dessen der Kirchenrendant „de Herrgottsnipptang“.Wer ihnen zahlt, thuts nur, weil er muß. „Dat deet dem derleeve Jong an“, sagt der Viersener. Uebrigens weiß er auch,daß man nichts umsonst thut, daß „Petter Oemmesöß dut ös“.„Do koos du op lätten“, darauf kannst bauen und überzeugtdavon sein, fügt er hinzu.Wenn der Viersener auch alle, die er seiner Freundschaftfür werth hält, gern hat, oder wie er sagt, „glatt breet op ös“das „klöchtige“ oder sonderbare Benehmen der Schmeichler haßter. Er nennt sie „Plümestricker“, „Sängten“ und „Möhne-gröößer“, das Schmeicheln selbst „Fiemeln“. Ebenso kann er die„Stronzer, die sich jett maken“, oder die „Pööker“, (Pocherd.-h. die Prahler nicht leiden. Ein altes Sprichwort sagt: DäPööker hät geen Bruhd, de Kläger hät geen Nuht“.Die Charwoche, „de gau Weeck“ (die gute Woche) besteht
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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