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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
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99Nachtrag.fortlebende Gebräuche und Anschauungen und bieten ein trefflichesHülfsmittel zum Verſtändniß der Vergangenheit.Die halb durchbrochene Thür an den alten ViersenerHäusern wird noch das „Gahr“ genannt. „Gahr“ oder „Gat“bezeichnete überhaupt jede Oeffnung; so erinnern sich die älterenLeute noch einer schmalen, zwischen Dülken und Viersen gelegenenWaldlichtung, das „Kruppgat“ genannt. Das „Gahr“ war einesehr praktische Einrichtung, indem es durch Oeffnung des oberenSchlages die Luftventilation erleichterte, während der untere Theilzum Schluß des Hauses während des Tages genügte. Das Vor-haus in den großen Bauernhäusern, welches zum Aufstellen derKarren und der übrigen Geräthschaften dient, trägt den Namen„Aeren“, während „Auer“ den Speicher bezeichnet. Die Mist-gabel, das „Reek“ hat ihren Namen von „reekelen“, was so vielals lockeren oder in die Höhe heben bedeutet, wovon das Stoch-eisen noch das „Rekeliser“ heißt.Aus der häuslichen Einrichtung wäre die sogenannte „VulFrau“ nachzutragen. Sie dient nämlich dazu, den Hausfrauenbeim Kuchenbacken die Mühe zu ersparen die Pfanne beständigfestzuhalten, und besteht aus zwei oben in einen Haken zusam-mengehenden Eisendräthen, auf denen die Pfanne über dem Heerdeaufgestellt wird. Zum Behufe des Feueranzündens bediente manſich des ſogenannten „Tintels“, alter, verbrannter Leinwand. DieMänner führten ihn in kleinen „Tinteldösken“ bei sich. Steinund Stahl brachten den Tintel zum Glimmen. War das Dös-chen nicht mehr sehr gefüllt, so ward der untere Boden etwashinaufgeschoben, und die irdene Pfeife umgekehrt zum Anzündendarüber gehalten. Die Hausfrauen hatten eine größere Tintel-dose in der Küche, in welcher sie die gewöhnlich selbst fabricirtenSchwefelſpähne anzündeten. Doch kamen auch „Schwegelſpien-cremer“ aus der Eifel. — Der große Lehnstuhl oder „Sectegewöhnlich für „Bestemoeder of Bestevader“ oder die „Bää-reservirt, nannte man auch den „Proosch“, (das Wort kommtvon „Protte“ oder „Pröttele“, d. h. Murren; ein Prootsch oderein Proosch ist also ein Sorgenstuhl; in anderen Gegenden desNiederrheines heißt er „Protteler“) während man die kleinen,runden, auch zum Aufklappen eingerichteten Tischchen „Schabell-ken“ nannte. Mutter und Großmutter hatten in den besserenFamilien in der Regel ihr Schabellken, an dem sie ihre kleinerenhabe ich des Leserkreises wegen, auf den das Buch berechnet ist, verzichten zumüssen geglaubt. Die einzelne, in den Sectionen verschiedene Aussprache habeich nicht berücksichtigt. Doch ist die Verschiedenheit für ein so kleines Terrainnicht unbedeutend. So heißt Mutter oder Bruder auf der Lackseite (also Be-berich u. s. w.) „Mojer“, „Brojer“, „Breujer“, während es auf der Kirchseite„Moar“, „Broar“ heißt.