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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
Seite
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Aus dem alten Viersen.96regte keinen Widerwillen, konnte also auch nicht als Schimpfwortbenutzt werden. Gehen wir zurück in das siebzehnte Jahrhundert,so finden wir das Schimpfwort auf dem Aber= und Teufels-glauben beruhend. Daß damals der Glaube an die „geheimenKünste“, an die Gewalt der Gottseibeiums über die leiblichenKräfte des Menschen noch ein tiefwurzelnder war, dafür habenwir genügende Anhaltspunkte. Dem entsprechend finden wiruns nicht mehr befremdlich — in den erhaltenen Prozeßakten je-ner Zeit das Schimpfwort durchgängig dem Aberglauben ent-nommen, „Heksemeester“, „Duyvel“, „ouden Duyvel“, „vrembdenDuyvel“ waren damals die gebräuchlichsten. So war auch derFluch gang und gäbe: „De Duyvel ſoude dy haelen mit Seelende Lichaem ende voeren dy soe ter Stondt evegh door de LochtSpäter habe ich den Ausdruck „Teufel“ als Schimpfnamen nichtmehr gefunden. Nebenher liefen die Schimpfworte, welche einerunmoralischen oder zu böswilligen Streichen aufgelegten Lebens-weise antipathisch entnommen waren, wie „Schelm“ und „Ondeught“.Der Abscheu gegen das Hündische, Kriechende, gegen den, der sichwindet und krümmt, wenn man ihm einen Tritt versetzt, klingtin dem bezeichnenden „Honsv...“ wieder. Aus dem Berichte derNaturgeschichte lieferte ebenso häufig das jugendliche Borstenthierseinen Namen zur Bezeichnung des Gemeinen. Auch im Volkeunbeliebte Personen und Stände mußten zu Schimpfnamen her-halten. So klagte 1720 Jemand, weil man ihn „Schavuytt enBeddelvoght“ geschimpft habe. Die Bettelvögte, welche auch fürAufrechthaltung der öffentlichen Ordnung einzutreten hatten, mö-gen bei dem streitsüchtigen Völkchen eben nicht die beliebtestenPersönlichkeiten gewesen sein. Weitere Schimpfnamen waren„Schubhont“ und „Toeverpoth“ (1715). Ende des Jahrhundertsfinden wir folgende lange Schimpfrede: „Du bys eenen lumpenhonsv...schen en schamfuterischen ...., du Kerel leefs niet alseenen Christen Mensch, maer als eenen barbarischen Kerel endeveel arger als een Heydt en Turck.“ Von der Dummheit einesmit offenem Munde „gaffenden“ Menschen kamen die Schimpf-namen „Gapmull“ oder „Gapert“. Letzteren fand ich zuerst 1670,wo Jemand ironisch einen Schöffen anredete: „Het is Jammerte syn, dat alsucher Gapert niet erder tot Schepen en is aengestelltworden“. Aehnlich gebrauchte man auch „Bock en Ocxenkop“.Das Schimpfen selbst hatte — wie alle Lieblingskinder — ver-schiedene Namen, als „Bulderen“, „Vuytbulderen“, „Kyffenund „Schellden“.In derselben Weise, wie die Schimpfwörter, lassen sich auchdie Sprichwörter und sprichwörtlichen Redensarten ausbeuten, dochbegnügen wir uns die aufgefundenen anzuführen und überlassendie application dem Leser. Sie sind alle den Proceßakten des