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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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95Schimpfnamen, Redensarten und Sprichwörter.Heere Generael van Roeseler woll bewust ist.“ 1789 standennur drei Unterthanen Viersens in fremden Diensten, 1793 nureiner. Erst unter Napoleon trat eine Aenderung der militäri-schen Verhältnisse ein. Von den Kriegern, die aus Viersen denfranzösischen Fahnen hatten folgen müssen, kehrten nach Berichtvom Januar 1815 nur 84 wieder, 85 waren spurlos verschwunden.Tünfundzwanzigstes Capitel.Schimpfnamen, Redensarten und Sprichwörter.Die in einer Gegend oder einer Gemeinde gebräuchlichenSchimpfnamen und sprichwörtlichen Redensarten sind ein ungemeingeeignetes Mittel, über den Volkscharakter näheren Aufschluß zugeben. In dem Schimpfnamen benutzt das Volk den Ausdruckfür das, was seine Antipathien, seinen Ekel und Abscheu in be-sonderer Lebendigkeit rege gemacht hat, als Waffe zur Bekämpf-ung seines Gegners, und weil die Culturgeschichte hervorragendethische Zwecke verfolgt, ist es auch ihre Aufgabe, in den Schimpf-worten, wenngleich diese an und für sich auch einer ethisch krank-haften Leidenschaftlichkeit entspringen, das Gute in dem Volks-charakter aufzuspüren. Gift und Gegengift finden sich gleichwiein der Natur auch im Leben des menschlichen Geistes dicht neben-einander, und die Weisheit des Leib= und Seelenarztes beruhteinzig und allein in der richtigen Verwerthung derselben. Auchdas Viersener Schimpfwort bietet uns ein treffliches Mittel, denAbneigungen und damit dem Charakter des Volkes auf den Grundzu kommen. So ist es eine auffallende Thatsache, daß das imganzen vorigen Jahrhundert gebräuchlichste „kyffelicke Woird oScheltwoird“ die Bezeichnung als Dieb „Deef“ oder „Gaudetwar, und daß zugleich Anklagen wegen Diebstahls in den nochvorhandenen Schöffenprotocollen zu den größten Seltenheiten ge-hörten. Kam zudem der seltene Fall einmal vor, daß ein Diebvor der Schöffenbank erschien, so kann man fast sicher daraufbauen, daß es kein Einheimischer war; die Geschichte des Schöf-fengerichtes bestätigt uns daher die dem Schimpfnamen zu ent-nehmende Vermuthung, daß dem Charakter des Vierseners des18. Jahrhunderts eine tiefe Abneigung gegen die Verletzung desEigenthums zu Grunde lag. Ein Schimpfwort, welches seineBezeichnung von der Streit= und Händelsucht hergenommen, istmir nirgends begegnet — natürlich, denn diese lag ganz in demleidenschaftlichen Charakter einer industriebeflissenen Gemeinde, er-