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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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94Aus dem alten Viersen.verschont, der Glaube des Volkes an die „heimlichen Künste“ zeigtsich aber in diesem Vorfalle im grellsten Lichte.Auf die öffentliche Moralität wurde streng geachtet.„Opoepene Stroeten onsuchtige en beaestelyche Riemdichtjens te singhenwar nicht gestattet, und unerlaubte Verhältnisse wurden von demVoght sofort nach erfolgter Anzeige aufgelöst.Nach dem fran-zösischen Civilstandsregister befanden sich 1807 unter 223 Kin-dern 8, 1808 unter 214 3, 1809 unter 209 7, 1810 unter 23210, 1811 9, 1812 7 illegitime.Die dem Viersener Charakter eigene aufbrausende Heftigkeitist eine Eigenthümlichkeit aller Weberdistricte. Wie diese Erreg-barkeit selbst in höhere Kreise gedrungen, beweist uns eine Zeu-genaussage Ernst Menghius' in einem Streite zwischen der Fa-milie Goris und Menghius aus dem Jahre 1682: „Onderwegsop Suchteler Velt is my begegent Henricus Goris, Soone vanden Landtscholtis, seggende aldaer my met eenen grooten Iffer enFurie te hebben aldaer sinnen Wegh expres genommen te hebbenom my te seggen, by so verre ich nyet en besorghte, dat hetDispuyt tuschen hem en den Vooght mynem Broeder in den Tydtvan vierthien Daeghen wurde geredressert, en dat he binnen den-selven Tydt Scholtis wurde van Vierssen, dat hy my alsdan sec-cherlyck naer den Verloop der vierthien Daeghen soude over Hoopschieten, alwaer hy my oock soude moegen antreffen." Das At-tentat wurde wirklich auf der Venloer Straße versucht. Nament-lich zur Zeit der Lindwirkerei anfangs dieses Jahrhunderts stiegdie Leidenschaftlichkeit so, daß der Maire 1806 in einem Berichteklagte, die jungen Leute seien so wild, que la police ni le diablepuissent être leur maître.Eine besondere Antipathie hatte der Viersener gegen denKriegsdienst. Die „grooten Keerls“, welche die preußischen Wer-ber vom Pflug und Weberstuhl holten, wurden regelmäßig vonder Gemeinde zurückgekauft. Die Affaire mit dem DessauerOberstlieutenant 1736 und das durch königliche Rescripturen vom8. September, 12. October 1728 und 15. Dezember 1735 accep-tirte Uebereinkommen mit der preußischen Regierung, die Gemeindegegen eine Contribution von tausend Reichsthalern vom Kriegs-dienste zu befreien, ist aus Schröteler S. 77 bekannt. Letztereswurde nichtsdestoweniger von den preußischen Werbern häufigignorirt. So kam 1744 wieder ein Major van Borke als Wer-ber und erpreßte ein Stück Stulpenleinwand, um einen „grootenKeerl“ loszulassen. Später erhielt er noch einmal hundert Gold-pistolen, aber mit Vorwissen seines Obern, des General vanRoeseler. Als Geldern die Quittung verlangte, antwortete dieGemeinde mit unverkennbarer Malice: „Wy hebben die originailQuitantie den Generael wedergeven moeten, wie onsen lieven