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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
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93Sitten.Milch durchschnitt, zuerst eintrat, und bald war der Ruf von derbösen Hexe in ganz Viersen verbreitet. In den Spinnstuben undauf dem Felde, bei Reich und Arm war die Rede nur von der„Hecks“. „Hebben ghy schon van de Hexerye gehoort, LysbethSleuters is een Hex, sy kan wat, sy heefft quaedt Wordt, sy heeffteenen quaden Naem, Beelken's Koey heefft sy beheckst ende Beel-ken's Kinderen synde oock kranck ende beheckst — het is goedt,dat het onder de Luyden kommen is.“ Andere waren vorsichtiger:„Weet du, dat een Hecks op het Kerckveldt woonde, ick conde srwal met eenen natten Vinger bereycken, maer ick wil sy niet noemen.Christin, Christin, halt dynen Mondt.“ Eine gute Freundin, diein Lysbeth's Haus gehen will, um mit ihr zusammen Flachs zuhecheln, wird von allen Seiten angehalten, und als sie sich nichtabhalten läßt, ruft man ihr nach: „Maer seegene dich woll, wantsy kan wat.“ Mit dem Tutscheln und Ohrenblasen allein warenaber die guten Leute nicht zufrieden, jeder wollte auch jetzt vonden teuflischen Zauberkünsten der bösen Lysbeth betroffen sein,dem einen gab die Kuh schlechte Milch, dem andern wurden dieKinder krank. Den höchsten Effekt machte eine Entdeckung in demHause eines gewissen Jacob Proey. Diesem wurde auch ein Kindkrank, und seine Hausfrau Stincken war vergeblich mit dem Kran-ken in Gladbach gewesen, um dort „gheestelycken Raed te ge-bruycken.“ Was war natürlicher als daß bei dem allgemeinenAberglauben der Verdacht wieder auf Franken's Lysbeth fiel, undihrem bösen Einfluß auch diese Krankheit zugeschrieben wurde.Zufällig war die Spinnerin mit der Familie Proehen bekannt,und Reden, wie „dat sy, Proeyen, te veel met eene seckere Persoonomgingen ende converseerden, sy souden sich voor een Deel Luydenwat huyden“, fielen häufig. Diese unablässigen Einflüsterungenbrachten die Eltern dahin, daß sie endlich dem Gerede halbenGlauben schenkten und sich vornahmen die Sache zu untersuchen.Sie gingen zum Krankenlager und suchten in dem Bett nach, abernichts Verdächtiges wollte sich zeigen. „Snyd de Bedden openflüsterten die bösen Zungen, und richtig, als man den Bettsackaufschnitt, fand man „eenen vederen Crans“. Die bösen Zungenhatten gesiegt — der Federkranz in dem Bett des kranken Kindeswar der sicherste Beweis, daß hier Lysbeth mit ihren teuflischenKünsten wieder die Hand im Spiele hatte. Ein peinlicher Prozeßwäre Lysbeth ganz sicher gewesen — denn noch dreizehn Jahrespäter, 1749, verbrannte man in Würzburg eine siebenzigjährigeNonne als Hexe — wenn nicht ein geschickter Advokat die Sachein die Hand genommen und Lysbeth dadurch vor dem ihr dro-henden Unheil bewahrt hätte, daß er den Pfeil umwendete undin Lysbeth's Namen die bösen Zungen als Ehrabschneider vor'sGericht zog. Blieb dadurch auch Viersen von einem Hexengericht