90Aus dem alten Viersen.könne, weil er als Reformirter nicht erbfähig sei. Lambertz meinteallerdings, es sei den Reformirten „toegelaeten, Huyser te geldennaer hunne Appetyt en so weyt hunne Penning erstreckt“; wo-gegen sich Kupp auf ein Placcat des Grafen von Gelre alsDrossarten des Amtes Krickenbeck vom 22. April und 5. Juni 1655berief, „dat de Calvinisten end allerhand andere Affgelovigengeene Huysen meeren sullen moegen innemen in hunnen Hertog-domb Gelre, om de Ketterye te vermenderen.“ Kuyp fährt fort:„wie oock Sententie onder den Eer. Heer Pastoer ten Deyleberustende die Ketterye niet meerder laeten ingrypen. Oock segghtden Pastoer geensints te willen lyden, dat meer Huysen van denCalvinern sullen werden besetten. Oock hebben die Calviner al-hier voor desen een Proces gehadt, t' welck de Calviner verloe-ren hebben ende hun is daerby belast, geene meerdere Extensiewegen hunnen Ketzerye te doen ende oock geene Huysen te gel-den, om daer nieuwe Ketzers intesetten.“ Wie die in diesemProcesse, dessen Endresultat wir nicht haben finden können, ge-flossenen Aktenstücke beweisen, sind die hier von Kuyp referirtenund geltend gemachten Anschauungen wenig in die Ausführungübergegangen.Ungerechtigkeiten und Gewaltthaten wurden in jenen Zeitenhüben wie drüben verübt, es kam nur darauf an, wer dieMacht in Händen hätte. Das bewies die sechs und zwanzigJahre unter der vorübergehenden holländischen Herrschaft er-folgte gewaltsame Besetzung der katholischen Pfarrkirche zuGunsten der kleinen reformirten Gemeinde. Außer in diesemJahre 1711 wird uns anfänglich von einer Besoldung des refor-mirten Predigers aus Gemeindemitteln nichts berichtet. 1711erhielten dagegen der 1705 zuerst genannte Rudolf Fabritiuszweihundert und sein Küster hundert Gulden, welche aus demTorfverkauf bestritten wurden. So heißt es 1711 in dem Torf-register des Bürgermeisters Willem Steinwaerts: „den 11. Juliaen den Geusen Prediger 50 Rx., den 6. Aug. aen den Predi-ger 25 Rx.“ 1720 wurde Fabritius über dieſes einjährige Trac-tement mit in einen Proceß verwickelt. Der Prediger von derWerth war der erste, welcher unter der französischen Herrschaft1796 ein städtisches Gehalt und zwar monatlich 18 Reichsthaler10 Stüber erhielt.Ueber einen heftigen Proceß den Thurmbau der refor-mirten Kirche betreffend, welcher von 1780 bis 1783 dauerte,sind leider die Akten nicht mehr im Stadtarchiv vorhanden, undwir daher auf einige dürftige Andeutungen angewiesen. Worindas Object des Streites bestanden, läßt sich nicht angeben.Das Holz für den Bau muß die Gemeinde und zwar aus denDoncker Büschen bereitwillig hergegeben haben, denn in den
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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