86Aus dem alten Piersen.tember, da Heiden unterdessen gestorben war, vornemlich aufGrund eines Gutachtens der Ruremonder Behörde zu Gunstender Frau von Mernich entschieden. Da der Angeklagte sich nurdurch die Auctorität Heiden's zur Replik hatte verleiten lassen,so erkannte das Gericht, daß er für die Gerichtskosten an derHinterlassenschaft Heiden's sich schadlos halten dürfe, eine Er-kenntniß, welche einen neuen Proceß mit dessen Erben zur Folgehatte.Die Ausgaben für katholische Kirchenzwecke wurden bis 1789von der ganzen Gemeinde getragen, als aber die reformirte Ge-meinde wuchs, ähnlich den Unterhaltungskosten für die katholischenSchulen, welche z. B. 1796 einen halben Stüber von jedemSchattstüber betrugen, auf die katholischen Einwohner repartirt.So waren die Gehälter für den „Balkenist“ oder Bälgertreter,welches Amt wir 1763 von einer Frau, einer gewissen GertrudBreutsch versehen finden, ein stehender Posten im Gemeindebud-get, ebenso die Vergütung an den Küster für das Schmieren derKirchenuhr. Das Gehalt des „Balkentreders“ betrug 1½ bis2⅛ Reichsthaler.Die Instandhaltung der Kirche war Last des Stiftes, derGemeinde und des Pfarramtes, und fiel die des Thurmes derGemeinde zu nach dem alten Reimsprüchlein: „Het Choir demPastoir, het Schiff dem Stift, den Toer dem Boer.“ Schonim Coustuymenboecksken wird die Verpflichtung des Schultheißenals Vertreters des Stiftes erwähnt, „die Kirch in Dach haltenso fern biß an das klein Creutzken so auff den Ruggen desLeydachs stehet, daß Chor.“ Allerdings leitete die Gemeindeaus diesen Lasten ihrerseits auch ein Eigenthumsrecht auf denThurm nebst Dependenzien her. Als Geldern 1743 bei einemdesfallsigen Posten im Budget anfrug, ob denn die Glocken derGemeinde angehörten, antworteten die Viersener, nicht anders zuwissen, als daß „der Thorm der Gemeinde angehet.Im Stadtarchiv befinden sich noch zwei Documente, indenen die Gemeinde den Guß, resp. den Umguß von Glockenaccordirte. Das erste ist vom Jahre 1657. „Op huyden Datoonderschreven, heißt es darin, hebben die semptlycke Schepenen endeGeswoeren deses Kirspels Virsen mit Bewilligungh der Eerw.Herren Deckens ende der beyde Kerckmeesters een Accordt gemaecktmit Meester Hendrick van Trier, om twee Clocken te vergeitenop volgende Conditien: In den eersten is geconditioneert, datSti Remigyclock de groetste sall syn en blyven ende op StJans-clock ende Middaeghsclock van Geluyde ende Geschall soo accor-deeren, dat dese drye Clocken in eenander sullen stimmen, dat hetKirspel daerop geen Claeghen sall hebben en geene Meesterscommen, de welcke sulcke Clocken sollen corrigeren. Ten 2. syn
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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