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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
Seite
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Aus dem alten Piersen.dings sehr häufig in der Eintreibung seiner Revenuen zu demGerichte seine Zuflucht nahm. Dadurch scheint er sich die Anti-pathien der Bürgerschaft erworben zu haben. Man lauerte ihmmehreremal mit Knitteln auf, beschimpfte ihn auf öffentlicherStraße, und als er nach dem Tode des Pfarrers Anton Pastors1681 Pfarrverweser wurde, wurden sämmtliche Fenster seinerWohnung zertrümmert. In einem Berichte an den GeldrischenHof hieß es, er sei „allerhande Petulantien, Affronten ende In-solentien vuyttgesatt, soodaenigh dat geheel Vierssen ende de nae-buyrighe Plaetsen dervan vol syn“.Von sonstigen Mißhelligkeiten im Privatverkehre des Volkesund der Geistlichkeit weiß die Viersener Geschichte nichts zuerzählen. Allerdings treten hinsichtlich der Vicariestellen, aufwelche die Gemeinde das Präsentationsrecht hatte, zuweilen Dis-harmonien, wie sie unter solchen Verhältnissen natürlich waren,hervor, ohne aber auf das religiöse Leben einen nachtheiligenEinfluß zu üben. Einschneidender waren die Zwistigkeiten,welche sich an die Erhebung der Kapelle Helenabrunn zurPfarrkirche knüpfen. Die Rivalität nämlich zwischen der Mut-terkirche und der 1800 von ihr abgetrennten, neuen PfarreHelenabrunn hatte eine tiefe Spaltung unter der katholischenBevölkerung Viersens hervorgerufen. Hatte schon die Idee einerAbtrennung Helenabrunns an dem Pfarrer Dohrenbusch einenentschiedenen Gegner gefunden, so war dies um so mehr beiseinem Nachfolger Menghius der Fall. Zudem vertraten diebeiden Pfarrer, Kimmel von Helenabrunn und Menghius, dieentgegengesetzten kirchlichen Anschauungen. Menghius, ein mil-der Herr, suchte durch möglichstes Anschmiegen an das Gouver-nement die Stürme der Revolution, die auch über seine Pfarr-kinder hereingebrochen, zu schwächen, während der neue Helena-brunner Pfarrer Kimmel, früher mit Menghius zugleich Vicaran der Mutterkirche, der Regierung den heftigsten Widerstandentgegensetzte. An der Auszahlung der dreitausend Reichsthaler,welche er aus seinem elterlichen Vermögen zur Dotation der neuenPfarre ausgeworfen hatte, wurde er durch den Protest seiner Mut-ter gehindert, über seine Resistenz gegenüber den französischenVerordnungen, die Kirchenfabriken betreffend, hatten die Beamtenstetige Klage zu führen, auch scheint er sich der Aufhebung desConventes St. Pauli agitatorisch widersetzt zu haben. Die Auf-regung erreichte den höchsten Grad, als. Kimmel den Verbotender Republik entgegen eine große Procession aus seiner Gemeindenach Kevelaer arrangirte. Der Maire sah sich zu schwach, dementgegenzutreten, und die Agitation gedieh so weit, daß das Volkdie Geistlichen der Mutterkirche ernstlich bedrohte, wenn sie nichtden republicanischen Verboten Trotz böten und das Venerabile