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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
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80Aus dem alten Viersen.diesem eine Nachricht zukommen zu lassen und schickte „eenen Bo-den voor Loen naer Dutschland (sic!)“.Die Gemeinde hielt den besondern Botendienst zur Expeditionder amtlichen Schreiben noch bei, als schon (1760) ein Postbotezwischen Viersen und Crefeld ging. Geldzahlungen machte manin früherer Zeit durch einen Boten oder Fuhrmann oder in eigenerPerson. So schrieb um 1718 der Regens der Jesuitenbursa inCöln an einen hiesigen Gläubiger, die zwanzig Reichsthalerwelche er ihm für ein Stück Stulpenleinen schulde, werde er ihmbei der nächsten Gottestracht persönlich bezahlen. In der Mittedes achtzehnten Jahrhunderts betrug der Botenlohn nach Geldern38 bis 45 Stüber; mußte der Bote über Nacht bleiben, so er-hielt er einen Reichsthaler 7 ½ Stüber. Ein Bote nach Lobbe-rich bekam 7½ Stüber. Briefe von Viersen nach Geldern kostetenje nach dem Gewicht 2 ½ bis 7 ½ Stüber. Nach königlichemEdict vom 28. August 1723 war es den Fuhrleuten im Geldri-schen untersagt, Briefe und Paquete mitzunehmen.Was die Faltung und Enveloppirung der Briefe anbelangt,so wurden wichtige amtliche Schreiben, sowie alle Geldsendungenmit Kordeln umwickelt und darauf versiegelt. Während man auchbesondere Couverts in quadratischer Form hatte, benutzte mandoch gewöhnlich, wie an der großen Zahl der in den städtischenUrkunden befindlichen Privatbriefe zu sehen ist, das weiße Blattdes Briefes selbst als Couvert, in dessen Faltung eine sinnreicheMannigfaltigkeit bemerkbar ist. Die Methode im innern Stadt-verkehr kleinere Billette zu rollen und dann zu kneifen, findetsich schon sehr früh. 1741 habe ich die ersten Spuren des Ge-brauches von Goldstaub als Streusand gefunden. Die der Postübergebenen Briefe wurden dort selten gestempelt. 1790 fandich den Poststempel angewendet mit weißem Posthorn und weißerAngabe der Abgangsſtation auf ſchwarzem Grunde.Nach Beschluß der Municipalverwaltung des Roerdeparte-ments vom 6. Messidor VI wurden die Briefe und Paquete,welche nach Viersen adressirt waren, von der Diligence, welcheKöln und Venlo verband, in St. Thonis niedergelegt, und mußtesie dort der Viersener Bote abholen. Da aber der ViersenerPostbündel durch Unaufmerksamkeit der Beamten häufig nicht aufdie Venloer, sondern auf die Crefelder Diligence expedirt wurde,blieben die Viersener Briefe nicht selten wochenlang in Crefeldliegen, und machte der Bote seinen Weg nach St. Thonis ver-gebens. Alle Beschwerden der Gemeinde blieben fruchtlos, bisCitoyen Loiff in Dahlen ein Postbureau errichtete, welches dieViersener Postsachen in Empfang nahm, seit dem 28. Pluviose VII.Da auch hier viele Verzögerungen eintraten, wünschte die Ge-meinde am 9. Messidor VIII eine definitive Verbindung über