76Aus dem alten Piersen.Neunzehntes Capitel.Verwaltung.Die financielle Verwaltung der Gemeinde ruhte in den Händenzweier Bürgermeister, die jährlich aus den Schöffen und Ge-schworenen für die Lackseite und die Kirchseite je einer gewähltund mit vierzig Gulden honorirt wurden. Ihre Aufgabe wares die von den Geschworenen auf die Einwohner ausgeschriebenendirecten Steuern zu erheben und die auf ihrer Gemeindehälfteruhenden Lasten auszuzahlen. Die Einziehung der Steuern oderdes „Schattes“ wurde von besondern, von den Bürgermeisternverschiedenen „Schattbeurdern“ besorgt. Der kleinen Quartbüch-lein, in denen zur Erleichterung dieser Arbeit für jede Honschaftdie steuerpflichtigen Einwohner verzeichnet standen, finden sichnoch viele im Archiv. Die Steuern gestalteten sich außer der an-derweitig mitgetheilten Viehsteuer nach dem Reglement von 1718wie folgt: Die Weinzapfer mußten eine Consumptiensteuer von16, die Bierzapfer, die „Vercoopers van gedestileerde Wateren mitdie kleyne Maeten“, und die Pferdölmühlen eine von acht Schillingbezahlen. Unter die Handwerker („Ambachtluydens“) und Händlerrechneten die Weber, Leinenhändler, Pferde= und ViehhändlerLandmesser und Chirurgen mit acht, die Stoffkrämer mit zwölf,die Kupferschläger mit sechs und die übrigen mit vier SchillingSteuer. Außerdem hatte jeder Familienvater fünf, seine Fraudrei, Knechte und Sohne über 16 Jahren zwei, jede Dienstmagdund Tochter über 16 Jahren einen Schilling zu bezahlen.Die Bürgermeister hatten die Rechnungen ihres Bezirkes demGerichts⸗ und Stadtſchreiber einzuhändigen. Die Finanzführungdieser in solchen Geschäften nicht geübten Bürgermeister war durch-aus keine glückliche zu nennen. Die Steuern gingen gewöhnlichschlecht ein, war es ja auch unmöglich, daß ein solcher auf ein Jahrund aus Seinesgleichen gewählter Steuerempfänger ein strengerBeamter gewesen wäre. In den Akten wird uns häufig berichtet,wie die Schattheber „in Plaetse van't Schattgeld Scheltworden enDreyghementen“ einärnteten. Dadurch kam es, daß z. B. 1779ein Rückstand an Steuern und ein Budgetdeficit von 1112 Gl.14 St., 1777 von 1929 Gl. 10¼ St., 1776 von 819 Gl. 14St., 1775 von 933 Gl. 15 St., 1774 von 896 Gl. 15 St.1773 von 285 Gl. 16 St., 1771 von 190 Gl. 11 St., 1769von 1773 Gl. 16 St. sich ergab. Im Jahre 1786 kamen diefinanciellen Mißstände zum Vorschein, das Geldrische Landes-administrationscollegium forderte strenge Untersuchungen, will-kürliche Aenderungen in den Schattlisten wurden aufgedeckt, aberschließlich sah sich Geldern genöthigt einen Strich durch das Ganze
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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