74Aus dem alten Viersen.in dieser Anstalt. Der Transport geschah per Schub von Mairiezu Mairie.Die Strenge gegen die Bettler darf uns aber nicht zu derAnnahme verleiten, als ob unsere Vorfahren dem menschlichenElend gegenüber sich hart und gefühllos bewiesen hätten. Wennauch außer in Zeiten der Geschäftsstockung, wo die Armuth raschgroße Dimenſionen annehmen konnte, die Abhülfe derſelben derPrivatwohlthätigkeit überlassen blieb, so war doch frühe schoneine öffentliche Armenverwaltung gebildet, welche in Händen derGemeinde sich befand. Viersen war in vier Armenprovisionengetheilt, denen je ein von der Gemeinde ernannter Provisor vor-stand, 1. Dorf und Rahser, 2. Rintgen, Hoser und Bockert, 3.Hamm und Beberich, 4. Ummer und Heimer. Diesen Provisorenwurden meistens die in Vermächtnissen ausgeworfenen Gaben fürdie Armen zur Vertheilung übergeben. Eigentliche Almosenkastenoder, Spinden existirten im 18. Jahrhundert drei, die gewöhn-liche Armenspinde, die Tuchspinde und die Häringsspinde, welchevon der Gemeindecaſſe Zinſen für entliehene Capitalien einzu-ziehen hatten.Hinsichtlich dieser Capitalien finden sich im „Schuldt Buchdes Kirspels Virssen“ vom Jahre. 1658 folgende Notizen:1. „Den Termin Christmis Anno 1663 den 12. Marty gerechetmit den Armen Brudermister von wegen der funfhundert Thlr.vnd xviij Thlr. Haufzum. Das ist das Jahr 62 mitgerechet.Das hat das Kispell vbergeben anderthalb Huntert Thlr. vndxviiij. Diese Summa ist geschrieben aus dem alten Buch.“ 2.„Anno 1661 den lesten October ist die Lackseidt des Kyspelleschuldigh worden an die Armen Brudermister die Suma at 50Thlr., welche seindt herkomen von Beelken Karkes.“ 3. „Anno1681 auff Marteynes ist das Kyspell der Laeck seiden schuldighworden an die Arme Brudermiſter die Suma at funfzigh Rex-daler, welche. Penneygen seyndt gegeben von Meychell KarkesAußerdem muß die Gemeinde noch mehr Armencapitalien aufge-nommen haben, welche abgesehen von den vorgenannten 1691zusammengerechnet wurden: 4. „Anno 1691 haben die Vereydenmit den Armen Brudermister gerechet von wegen zwee verscheidenZumen beyenander gezoegen bedragen sich tosammen zweehuntertvnd 25 Thlr. Kapetall.“ Die in kirchlicher Verwaltung befind-liche Tuchspinde hatte auf der Gemeindecasse zwei im Schuldbuchevon 1714 verzeichnete Capitalien stehen: 1. „1758 den 28. Martyist vns Keirspel Vierschen schuldig worden hundert zwanzig funffRx. an vnsere procke Kercke tote Lefesmedeln en Mowalter derDockspeinde.“ 2. „1758 den 28. Mertz ist vns Kirspel Vierschenschuldig worden ein Hundert Vierscher Thaller an vnsere prockeKerke tot Vermerung der Dockspeinde.“ Ueber die Häringsspinde
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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