Druckschrift 
Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

Straßen- und Sicherheitspolizei.Pferdebesitzer extra zwei und einen halben Reichsthaler, sowie dieLeute, die beim Löschen halfen, gewöhnlich ein Tractament empfingen,z. B. beim Thurmbrand am 11. December 1792 zehn Gulden. DieViersener Brandspritzen waren, nach den Reparaturposten imGemeindebudget zu schließen, nach dem Druckpumpensystem con-struirt. So finden wir als regelmäßig wiederkehrende Postendas Schmieren des Helmes, ferner die Reparatur des „Stam-pels“ und der „leddern Söger“. Einmal wurden „die Sögers-rohr gelängt, noch zwei Steucken gelängt, wo die Asse eingehet“. Auchfinden wir in den Rechnungen „Krämpen en Schlöpen“, mit denenwahrscheinlich die Brandspritze auf der Karre befestigt wurde.Die Brandeimer kosteten gewöhnlich 2 ½ Reichsthaler. Unterden Franzosen gab's nur einen Brandspritzen=Aufseher mit sechsFranken Gehalt. Im Auguſt 1813 wird eine allgemeine Brand-spritzenrevue auf der Rintger Bleiche erwähnt.Da wir uns in diesem Capitel mit den Straßen beschäftigten,mag hier auch der Ort sein, der unvollendet gebliebenen Wasser-ſtraße des Nordcanals, ſo weit ſie Viersen berührt, Erwähnungzu thun. Napoleon hatte die kühne Idee gefaßt, den Rhein mitder Nordsee durch eine directe Wasserstraße zu verbinden. Nachdem entworfenen Plane wurde auch Viersen von dem Projecteberührt. Im Frühjahr 1808 geriethen die Besitzer der in Aus-sicht genommenen Grundstücke in große Aufregung. IngenieurHageau war mit einer Anzahl Arbeiter angekommen, das Terrainabzustecken. Er verlangte für die Arbeiter bei den Bürgern freieKost und Logis. Maire Preyer antwortete, dazu sei kein Bürgerverpflichtet, und man verständigte sich schließlich über eine Ent-schädigung von 15 Sous. Als die Arbeiter aber willkürlich Büscheund Zäune weghieben, um die Richtschnur nehmen zu könnenkam die Aufregung der Bürger zum vollen Ausbruch. Die Piquetsund Zeichen Hageau's wurden weggerissen, und, wie es scheint,suchte Hageau mit seinen Arbeitern das Weite. Als sie MitteMai wiederkamen, um die unterbrochene Arbeit wiederaufzunehmen,bat der Maire in einem Placcat vom 20. die Bürger, sich denArbeiten nicht mehr zu widersetzen, und versprach ihnen beimGouvernement eine hinreichende Entschädigung zu erwirken. Biszum 13. Juli waren die Vorarbeiten so weit gediehen, daß andiesem Tage eine Versammlung der interessirten Eigenthümer ge-halten werden konnte, an der als Gouvernementsvertreter Archi-tekt Degodenne theilnahm, während von den Interessenten Mau-rermeister Heinrich Büssem zum Experten gewählt wurde. 3250,47Aren Viersener Terrain fielen der Expropriation anheim, dar-unter mehrere Gebäulichkeiten, wie ein allgemein um seines Ab-bruches bedauerter Pavillon im sogenannten Mengenhof, fürwelchen sein Besitzer Johann Wilhelm Mengen alias Höges ver-