Druckschrift 
Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

Straßen- und Sicherheitspolizei.vom 29. September 1668 hatten die „Coopluydens en leydtman-nen (Fuhrleute)“ von jedem Pferde je nach dem Werthe desselbeneinen Ausgangszoll von sechs Gulden bis dreißig Stüber zuentrichten. 1767 wurde ein neues Licentcomptoir in Viersen er-richtet, und J. Jacob Thynen mit 50. Reichsthaler zum Verwaltereingesetzt. Er hatte „alle Licentrechten ende Incommen soo vanin als uytgaende licentbaare Goederen van Transit, Teeckeninghevan Passavants, vorts alles daeran dependeert“ in Empfang zunehmen und die Einnahme quartaliter ans Königliche Comptoirin Mörs abzuliefern. Dafür hatte er freie Fahrt („eene vryeVoiture“) und fünf Schilling Reisediäten. Wie hoch die Licentenstanden, kann man daraus entnehmen, daß alle ausländischen Tücherper Elle mit sechs bis zehn Stüber und alle Garnituren außer denaccisefreien Fabricaten der berliner Manufactur mit siebzig Pro-cent versteuert werden mußten.Zur Aufrechthaltung der Sicherheit nach Außen und zurAushülfe in der innern Sicherheitspolizei dienten die „Schutten“die nach mittelalterlichem Gebrauche unter dem Schutze St. Se-bastiani zu einer „Broederschapp“ vereinigt waren. Dagegenempfing die Bruderschaft alljährlich nach ihrem Vogelschießen fürden Schützenkönig ein Douceur von vier Reichsthalern. 1729weigerte sich die Gemeinde diesen Betrag weiter zu zahlen, wes-halb sich die Bruderschaft beschwerdeführend nach Geldern wandte.Geldern antwortete, die vier Thaler seien fernerhin auch auszu-bezahlen, doch sei die Bruderschaft dagegen verpflichtet, die Ge-Zu dieser subsidiä-meindepolizei nach Bedürfniß zu unterstützen.ren Thätigkeit rechnete man das Einfangen der Verbrecher, dieHinaustransportirung der zu „Bannissement“ Verurtheilten, Un-1740 aber verbotterstützung in der Wald= und Straßenpolizei.Geldern aus eigener Initiave das Auszahlen besagter vier Reichs-thaler. Die Bedeutung der Sebastiansbruderschaft kann manihrem Silbervermögen an Vögeln, Platten, Ketten 2c. entnehmenwelches in einem Gewichte von 10 ⅛ Pfund am 1. Februar 1795an den französischen Eroberer ausgeliefert, am 18. August denSchützen wieder zurückgeschickt wurde. Nach der dabei aufgestell-ten Tabelle hatte Heimer elf, Rahser sieben und zwanzig, Hammsieben und zwanzig, Ummer zwanzig, Rintgen drei und dreißigBeberich fünfzehn, Hoſer und Bockert vierzehn und Dorf fünfund zwanzig Silberplatten. Dorf und Hamm hatten je einenSilbervogel und Silberkette, Rintgen eine kupferne Kette undDorf außerdem zwei Schildkragen und eine silberne Piecke.An der Spitze der Sicherheitspolizei stand in alter Zeitder mit sechszig Reichsthaler salarirte Voght, der außer seinercriminellen Wirksamkeit zur Uebung der Sitten=, Straßen= undBrandpolizei und jährlich zu bestimmten Malen zur extra mit