68Aus dem alten Piersen.Goswyn Kranckel (1751) und der 1771 installirte, bis ins neun-zehnte Jahrhundert dies Amt versehende Gerard Greefkes. ZurAnstellung als „gesworene Landmeter“ bedurfte es nur einesSittenzeugnisses und eines vor zwei Schöffen und einem benach-barten Geometer zu bestehenden Examens, worin der Aspirantseine Fähigkeit einen Plan oder „Carte figuratief“ zu zeichnendarzuthun hatte. 1728 wurde die Vermessung pro Morgen miteinem Schilling vergütet.Ueber die Innehaltung der Grenzpfähle, sowie die Aufrecht-erhaltung der bestehenden Straßen und Wege hatten die Geschwo-renen zu wachen. So klagten die Geschworenen der GemeindeViersen am 20. Juni 1652 vor dem Schöffengerichte gegen PeterNyenhauß, weil er einen Fußpfad, der von der „Iserstraet“ amNyenhaußhof vorbeiführte, umgeackert hatte. Außerdem hieltenVoght, Secretär, Schöffen und Geschworene von Zeit zu Zeiteine Heerbannen=, Straßen=, Brücken= und Wasserlaufvisitationin der ganzen Gemeinde ab. Contravenienten gegen die gesetzlicheBestimmungen wurden sofort bestraft, so für schlechte Reinigungder Gräben mit dreißig, für mangelhafte Unterhaltung der Wegeund Zäune mit fünfzehn Stüber.Die Viersener Wege waren gegen die benachbarter Ter-ritorien, z. B. Kurkölns, in sehr gutem Zustande. Im Jahre1794 eingeleitete Verhandlungen mit Kurköln, eine gleiche Wa-genspur von fünf rheinischen Fuß einzuführen, scheiterten an demdesolaten Zustande der Kurkölner Wege. Diese Wagenspur warhierorts bereits durch die Gesetze vom 13. September 1765 und9. November 1793 eingeführt. Auch für die Pflasterung der städti-schen Straßen („Paveyen met Keyensteinen“) wurde hinlänglichSorge getragen, die Kosten derselben figuriren nicht selten imGemeindebüdget, so 1735 und 1737 die Pflasterung des Marktesund der Dorfer Hauptstraße mit 180 Gulden. Straßenbeleuchtungscheint früher ein unbekannter Luxusartikel gewesen zu sein; 1828fand ich zuerst im Gemeindebüdget einen desfalsigen Posten, 74Thlr. 20 Sgr. 6 Pf. für Oel zur Straßenbeleuchtung. Dieerste Numerirung der Häuser finde ich im October 1794 erwähnt,wo 406 Häuser im Dorf und Rintgen, jedes zu zwei Stüber,mit Nummern versehen wurden. Besondere Häusernamen habeich nicht gefunden, nur 1750 existirte im Dorf ein Wirthshaus„het witte PerdtNach testimonialer Urkunde vom 23. August 1700 hat inViersen bis zu dieser Zeit niemals ein beständiges Licentcomptoiroder eine Steuerhebestelle für durchgehende Waaren bestanden.Der 1680 und 1699 gemachte Versuch, ein solches in Viersen zuerrichten, war auf Anstehen der Gemeinde vom Finanzcollegiumin Brüssel wieder aufgegeben worden. Nach spanischem Placcat
Druckschrift
Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Seite
68
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten