59Gerichtswesen.Einer der wichtigsten und einflußreichsten Posten war derdes Secretarius und Gerichtsschreibers. Bei der mangelhaftenjuriſtiſchen und büreaukratiſchen Bildung der nominell die Ge-meinde= und Gerichtsverwaltung bildenden Perſonen lag aufseinen Schultern die ganze Last des Geschäftes, und von seinerAusbildung hing der Rechts⸗ und Verwaltungszuſtand Vierſenswesentlich ab. Die Stelle befand sich vom Beginn der urkund-lich bekannten Geschichte Viersens bis zum Ende des achtzehntenJahrhunderts in Händen der Familie Menghius. Diese Familiescheint aus Grefrath zu stammen, wo wir in der Mitte des sieb-zehnten Jahrhunderts einen Johann Caspar Menghius als Schult-heißen finden, dem 1699 sein Neffe Rudolph folgte. In derFolgezeit sehen wir die Menghius in der Umgegend achtenswerthePosten einnehmen, so einen Ludwig Menghius als Pfarrer vonUerdingen, wie schon ein Onkel des Gerichtsschreibers JohannMenghius Canonicus an St. Servais in Mastricht gewesen war.Nach Viersen siedelte die Familie über durch Johann LudwigMenghius, den Gerichtsschreiber des ganzen Amtes Krikenbeck.Um 1640 nämlich finden wir die Secretärstelle für die einzelnenOrtschaften dieses Amtes in einer Person vereinigt, jedoch sodaß die Ernennung von den Jurisdictionsherren jeder einzelnenOrtschaft separat erfolgte. Der erste bekannte ist obengenannterJohann Menghius. Von dessen beiden Söhnen ward Urban1678 Voght von Viersen und starb, nachdem er 1716 sein Amtniedergelegt, am 6. November 1731 bei den Minoritenbrüdernin Neersen, wohin er sich gegen Ende seines Lebens zurückge-zogen hatte. Seinen zweiten Sohn Dominicus Ernst finden wirschon im Februar 1678 seinem alten Vater in der Führung derGeschäfte zur Seite stehen. Wenigstens begegnet von diesemDatum an in den Protokollen die jedem, der sich mit ViersensGeschichte befaßt hat, bekannte schöne Handschrift Dominicus ErnstMenghius'. Vollständig resignirte sein Vater erst mit dem Jahre1681, worauf Dominicus Ernst am 14. April 1681 zum SecretärVierſens von der Frau von Mernich ernannt wurde. Für dieübrigen Ortschaften des Amtes Krikenbeck scheint Johann dieLandschreiberarbeiten länger versehen zu haben, wie z. B. fürGrefrath die dortige Jurisdictionsherrin Baronin von SchellardtDouariere von Lehnsdorf und Geiſtern ſeine Reſignation erſt am19. November 1699 acceptirt, an demselben Datum seinen Sohnprovisorisch und am 6. März 1708 definitiv zum GrefratheiSecretär ernennt. Dominicus Ernst bekleidete die ViersenerSecretärstelle bis zum 4. Februar 1718 und resignirte beimKölner Stift zu Gunsten seines Schwagers Hermann JosephDuyckers, jedoch unter der Bedingung, daß, wenn Duyckers vorihm sterbe, das Recht auf die Stelle ihm vorbehalten bleibe.
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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